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Huck völlig chancenlos gegen Champ Usyk

Es war eine gelungene Premiere in Berlin. Knapp 6.000 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle und Millionen TV-Zuschauer in aller Welt genossen am Samstagabend den Auftakt der „World Boxing Super Series“.

Besonders viele ukrainische Fans hatten die Reise in die Hauptstadt angetreten, um das Spitzenduell zwischen Oleksandr Usyk (13-0-0, 11 K.o.) und Marco Huck (40-5-1, 27 K.o.) live zu verfolgen und für Stimmung zu sorgen.

Das Team von Usyk rechnete mit circa 2.000 mitgereisten Fans, die es schafften den Showdown in ein gefühltes Heimspiel für den Ukrainer zu verwandeln.

Im ersten Viertelfinale um die „Muhammad Ali Trophy“ im Cruisergewicht der World Boxing Super Series startete Marco Huck besser in den Fight als im April gegen den Letten Mairis Briedis (22-0-0, 18 K.o.), in dem er zwölf Runden lang keine echte Aktion brachte und sich vor der harten Schlaghand in Acht nahm.

Sein neuer Trainer Conny Mittermeier hatte ihn taktisch richtig eingestellt und eingetrichtert, dass er nur mit seinen altbewährten Überfallangriffen eine Chance auf einen Sieg hat.

Beide Cruisergewichtler starteten mit Überblick und nicht überhastet in das Gefecht. Usyk kein Schnellstarter, meist liest er seine Gegner die ersten Runden aus und zermürbt sie dann im weiteren Kampfverlauf. Auch Huck nahm sich etwas Zeit, um in den Kampf zu finden.

Erst in der dritten Runde kam das erste Mal Action auf als der „Käpt’n“ begann aggressiver zu agieren. Doch immer wieder konnte Usyk durch die präziseren, klareren Treffer zum Ende der Runde überzeugen. Dazu zeigten die Schläge des Berliners keine Wirkung bei dem Favoriten des Boxturniers.

Foto Marco Baumann_Usyk vs. Huck

In der Pressekonferenz nach dem Duell bestätigte der 30-jährige diesen Eindruck: „Wenn Marco sagt, dass er mich hart getroffen hat, dann kann ich ihm da nur Recht geben, nur waren seine Schläge leider entweder auf meinem Hinterkopf oder unter der Gürtellinie!“

Der Wille war da, die Qualität nicht

Bei dem Ex-Weltmeister aus Berlin sah man zwar den Willen zum Sieg, aber seine boxerischen Qualitäten reichten für einen der besten Cruisergewichtler der Welt einfach nicht aus. Usyk war schneller, präziser, lockerer, intelligenter und variabler im Seilgeviert.

Der Amateurweltmeister, Olympiasieger und WBO-Champion im Cruisergewicht überzeugte in jeder Runde und Huck wirkte schnell ideenlos und beeindruckt.

Das zeigte sich in unsauberen Aktionen wie dem Nachschlagen in der achten Runde als Usyk durch einen Fehler in der Beinstellung ausrutschte und sich mit beiden Knien am Boden befand. Das unfaire Nachschlagen bestrafte Ringrichter Robert Byrd mit einem Punktabzug bei Marco Huck.

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In den weiteren Runden hielt der Ukrainer das Tempo hoch und ließ seinen Kontrahenten nicht mehr zum Zug kommen. In Durchgang zehn wurde der Fight nach 2:18 Minuten von Ringrichter Byrd abgebrochen: Technischer Knockout in Durchgang zehn! Marco Huck war dem Schlaghagel Usyks nicht mehr gewachsen, wurde wehrlos durch den Ring gescheucht und brachte keine Gegenaktion mehr an.

Foto Marco Baumann_Huck PK

Auf der Pressekonferenz befand der unterlegene Boxer den Abbruch als verfrüht: „Ich bin aber der Meinung, dass der Ringrichter den Kampf zu früh abgebrochen hat! Ich war nicht angeschlagen und hätte weitermachen können. Sicherlich ist Usyk ein starker Mann, aber er ist nicht vom Kaliber wie zum Beispiel ein Denis Lebedev, der hatte um einiges härter gehauen.“

Kalle Sauerland bezeichnete dies hingegen als folgerichtige Handlung des erfahrenen US-Ringrichters: „Der Abbruch des Ringrichters war vollkommen ok. In den Regeln steht ganz klar, dass sich der Sportler selbst schützen muss und wenn dies nicht mehr gewährleistet ist, dann muss der dritte Mann den Boxer schützen – und genau das hat Robert Byrd auch getan.“

Nach dieser dominanten Vorstellung bleibt Oleksandr Usyk weiterhin ungeschlagen, WBO-Champ im Cruisergewicht sowie Topfavorit in der World Boxing Super Series.

Als nächsten Gegner im Cruisergewicht-Halbfinale tippt er auf Mairis Briedis, der sich höchstwahrscheinlich im Fight gegen Mike Perez durchsetzen wird.

Insgesamt war es eine sehenswerte Premiere der WBSS, die Vorfreude auf die nächsten Ansetzungen geweckt hat. Kalle Sauerland, Chief Boxing Officer des Veranstalters Comosa: „Dieser Kampf war Werbung fürs Boxen!“ So sahen es auch die anwesenden 124 Medienvertreter.

Wie geht es mit Marco Huck weiter?  

Der Berliner bestätigte schon nach dem Fight die weitere Zusammenarbeit mit Trainer Conny Mittermeier und schloss damit ein Karriereende aus. Dazu veröffentlichte er gestern auf Facebook folgende Nachricht: „Ich bedanke mich bei allen Menschen, die mich live in der Max-Schmeling Halle und vor dem TV unterstützt haben. Ein großer Dank auch an mein gesamtes Team! Es geht weiter, für Euch liebe Freunde werde ich stärker denn je zurückkommen! Euer MH.”

Dennoch sollte sich der Berliner eingestehen, dass seine beste Zeit vorüber ist und er in der Weltspitze nichts verloren hat. Wer sich nicht eine Runde klar gegen Mairis Briedis oder Oleksandr Usyk erboxen kann, gehört eben nicht zur Elite im Cruisergewicht! Das zeigt sich bereits in der Wahl seiner Sparringspartner Mohammed Bekdash (11-0-0, 9 K.o.) und Shokran Parwani (8-0-0, 7 K.o.), die sich noch im Aufbau ihrer Karriere befinden und keinen Gegner mit Klasse geschlagen haben.

Das Team Huck hat anscheinend schon in der Vorbereitung jeden Cent gespart und stilistisch die völlig falschen Sparringsparnter für einen Fight gegen Oleksandr Usyk ausgewählt. Das kann nur damit erklärt werden, dass sie bereits mit der Niederlage rechneten und den Klassenunterschied eingesehen haben.

Darum sollten nun andere Gegner ins Auge gefasst werden: Wie wäre es mit einem deutsch-deutschen Duell gegen Noel Gevor (23-1-0, 10 K.o.), der sich im Vorprogramm erfolgreich gegen Isiah Thomas (15-2-0. 6 K.o.) aus den USA durchsetze und jede der zehn Runden gewann?

Dieser Kampf würde deutlich mehr Spannung versprechen als die letzten beiden Duelle von Marco Huck…

Fotos: Marco Baumann

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6 Kommentare

  1. Profilbild von California
    11. September 2017 at 17:28 —

    Huck ist jetzt entgültig der zweite Arthur Abraham….

  2. Profilbild von Cantplayboxingderzweite
    12. September 2017 at 11:43 —

    Gerüchte besagen, dass Marco Huck bald „Chef-Zitronensaft-zerpresser “ in Felix Sturm’s Limonaden Fabrik wird. Tyron Zeuge soll auch schon langfristig , nach dem absehbaren Ende seiner Karriere, als Testimonial engagiert werden und als das „Milchschnitten Gesicht des Baltikums“ vermarktet werden.

  3. Profilbild von Brennov
    12. September 2017 at 21:42 —

    Marko Huck ist einfach gute unterhaltung. er wird zurück kommen und noch ein paar kämpfe machen auf nationalen niveau und gut geld verdienen. arslan, charr oder ibo titel.

  4. Profilbild von ego
    12. September 2017 at 21:58 —

    “ „Dieser Kampf war Werbung fürs Boxen!“
    Aber bloß nicht von Hukic!

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