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Firat Arslan holt sich „seinen“ Gürtel zurück

Fotos: Andreas Grunwald

Der WBO-Europameistergürtel hat einen alten und neuen Besitzer: Firat Arslan (39(24)-8(3)-2). Der 46-jährige besiegte am Samstag in Göppingen seinen Kontrahenten, den 43-jährigen Goran Delic (31(7)-1(1)-0) aus Bosnien-Herzegowina. Der Titel war vakant, weil die WBO den offenbar gekauften Kampf zwischen Mario Daser und Ola Afolabi für nichtig erklärt hatte. Arslan erkämpfte diesen Titel bereits zum zweiten mal. Im September 2016 bezwang er Nuri Seferi nach Punkten. Auch Seferi hatte diesen Gürtel schon mehrmals in seinem Besitz.

Die Veranstaltung in Göppingen fand unweit von Arslans Wohnsitz statt und war für ihn also so etwas wie ein Heimspiel. Wenn man es ehrlich betrachtet, war auch Alles auf ihn zugeschnitten. Bis auf eine Ausnahme war es das gleiche Kampfgericht wie gegen Seferi, der gleiche Austragungsort und diesmal ein Gegner, der für Arslan wie maßgeschneidert war. Delic hat zwar einen guten Rekord, war aber als Kontahent für Arslan keine wirkliche Gefahr. Das Arslan das Publikum hinter sich hatte, muss man nicht extra betonen.

Im Ring sah man genau das, was zu erwarten war: Arslan bewegt sich mit absolut stabiler Doppeldeckung scheinbar unaufhaltsam auf seinen Gegner zu. Es sah wieder einmal aus, als marschiert eine gut gepanzerte römische Ein-Mann-Legion über ein imaginäres Schlachtfeld, das durch im Quadrat gespannte Seile begrenzt ist. Hat Arslan sich in die richtige Position geschoben hagelt es ein paar Schläge. Eine relativ einfache, aber auf Dauer zermürbende Strategie.

Arslan1

Um so schlimmer kam es für Goran Delic, der von Beginn an den Fehler machte, sich Arslan beinahe tatenlos in den Weg zu stellen, statt auf flinken Füßen das Weite zu suchen, wenn der römische Infantrist anrollte, Arslan kam in den ersten 5 Runden ohne jede Hektik aus. Er wurde erst richtig agil, nachdem er Goran in der 6. Runde weichgeklopft und einmal am Boden hatte. Nach dem Anzählen ging es noch einmal kurz weiter, aber dann kam das Handtuch aus Gorans Ecke geflogen. Goran Delic hatte zuvor einfach schon zu viel und zu dankbar alles angenommen, was Arslan zu bieten hatte. Um es krass auszudrücken: Delic hielt einfach nur die Birne hin und ließ sich „einschenken“. Ringrichter Ingo Barrabas hätte sich das ohnehin nicht mehr lange mit angesehen.

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Was kann man aus diesem Kampf ableiten? Als Zuschauer kann man Arslan Respekt zollen, der wieder einmal seinen Stiefel runtergeboxt und damit Erfolg hatte. Er selbst und Personen aus seinem näheren Umfeld sind jetzt erst Recht der Meinung, dass er noch einmal einen WM-Fight verdient hätte. Das muss man erst einmal so stehen lassen. Die Cruiser-Weltmeister sind jetzt erst einmal für das nächste Jahr mit dem WBSS Turnier beschäftigt. Arslan hätte sehr gerne an diesem Wettbewerb teilgenommen. Allerdings ist die Spitze des Cruisergewichts im Moment stark besetzt und es war einfach kein Platz mehr für ihn vorhanden. Nach dem Turnier gibt es womöglich nur noch einen Cruiser-Champ, der alle 4 großen Titel trägt. Ob der dann unbedingt gegen Arslan kämpfen will, kann man nicht erwarten.

Dennoch war das sicher nicht das letzte Kapitel, dass Arslan in seiner Laufbahn aufgeschlagen hat. Ob er noch einmal die Chance auf einen richtigen WM-Kampf bekommt, ist offen. Vielleicht kommt ja irgendwer auf die Idee, ihn gegen Denis Lebedev boxen zu lassen. Da sind die Siegchancen zwar gering, aber die Kasse stimmt. Oder er verteidigt seinen WBO-Europameistertitel. Da kann er sich den Gegner womöglich aussuchen, aber sein Veranstalter muss auch zusehen, wie er das Ganze finanziert bekommt. Nuri Seferi wäre bestimmt nicht abgeneigt, noch einmal gegen Firat Arslan zu kämpfen.

Hier der Kampf:

Nach dem Kampf:

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23 Kommentare

  1. Profilbild von California
    17. Juli 2017 at 18:15 —

    Wenn der Typ wirklich 46 Jahre alt ist dann muss man Respekt haben,…..in dem Alter einen solchen Sport zu betreiben ist fast schon Wahnsinn….Respekt also, vor allem wenn man noch Titel gewinnt

    • Profilbild von Praktiker
      18. Juli 2017 at 15:26 —

      Nun ja, der Titel gegen den Bosnier ist gekauft, der Gegner war totales Fallobst. Weis nicht was das ganze Firat bringen soll, gegen einen guten Gegner verliert er. Aber Respekt vor seinem Alter und der Leistung, auch wenn dies im Profiboxen meiner Meinung nach nichts zu suchen hat.

  2. Profilbild von Cantplayboxingderzweite

    Almanyi Arslan passt eigentlich perfekt zur Sauerländischen Club-Ideologie.

    1. Begrenzte technische Fähigkeiten
    2. Begrenzte Beinarbeit
    3. Doppeldeckung
    4. Lebt in einer parallelen Boxwelt.

    Ich möchte keinesfalls seinen vorhandenen Willen und Trainingseifer verspotten aber bitte jetzt nur Daser vernichten und dann in der Versenkung verschwinden.

  3. Profilbild von Cantplayboxingderzweite

    Meine Fresse dieses behinderte muselmannen Kind fuckt sich hart ab mit seinem „Firat“ Geschrei dagegen hat die alte von Carl froch ne engelsstimme

  4. Profilbild von Brennov
    17. Juli 2017 at 21:06 —

    vielleicht kann er um den IBO titel boxen wenn der jetzt bald neu vergeben ist

  5. Profilbild von globuli
    17. Juli 2017 at 21:36 —

    Nachfolgend gibt es nach der Fußballbundesliga auch noch eine 2.Liga.
    Auch hier wird ganz großartiger Fußball gespielt.
    Ich frage mich, warum zollt man der 2. Liga im Boxsport (Europameisterschaftsniveau und Deutsches Meisterschaftsniveau) nicht die gleiche Anerkennung und den nötigen Respekt wie beim Fußball??
    Hier müsste wohl ein Umdenken bei den Fans und in der gesamten Boxcommunity stattfinden.
    Meine persönliche Meinung: Firat Arslan ist nicht nur eine Ausnahmeerscheinung innerhalb des Boxsports, sondern auch ein großartiges Vorbild für den Sport allgemein. Unsere Jugend braucht dringend solche großartigen Sportler als Vorbild.

    • Profilbild von Brennov
      17. Juli 2017 at 21:48 —

      hast du einen hauch Ahnung vom Fußball oder schon jemals die 2. Liga gesehen? dort wird kein Fußball gespielt. das ist nur rennen, kämpfen und ball vorbolzen. das hat mit spielen null komma null zu tun. in der 3. Liga wird weitaus mehr gespielt. die 2. Liga ist von je her eine kampf- und krampfliga!

  6. Profilbild von globuli
    17. Juli 2017 at 21:58 —

    Bein allem Respekt Freund Bennov:
    Ich habe selbst lange Fußball als Torwart gespielt.
    Du scheinst den Sinn meiner Aussage nicht ganz verstanden zu haben.

    • Profilbild von istvan
      17. Juli 2017 at 22:07 —

      Diese Aussagen sind auch für mich unverständlich. Europameister, deutsche Meister (natürlich auch die ungarische oder polnische) sind Nieten, haben keine Ahnung usw. Bin nur neugierig ob diese Leute in ihrem Beruf schon halb soviel erreicht haben.

  7. Profilbild von globuli
    17. Juli 2017 at 22:01 —

    Sorry : Freund Brennov!!!

  8. Profilbild von globuli
    17. Juli 2017 at 22:20 —

    Istvan
    Im Sport ist es wie im Beruf:Nicht jeder kann eine Spitzenposition erreichen.
    Der Weg dahin ist für die meisten unerreichbar, aber eine gute Position im Leben wie in Sport ist sehr viel wert.

    • Profilbild von istvan
      18. Juli 2017 at 07:13 —

      Ganz genau. Sehr viel wert…und es kostet sehr-sehr viel Arbeit und dafür gebührt ihnen Respekt.

    • Profilbild von fettundmuskeln
      18. Juli 2017 at 10:40 —

      Naja, Globuli, Respekt sollte man vor sportlichen Leistungen schon grundsätzlich haben, ob Vollprofi, Amateur oder Hobbysportler, der zum Spaß einen Marathon läuft. Aber anders als ein Amateur oder Freizeitsportler soll ein Profi ja auch unterhalten und ein bisschen beeindrucken. Wenn ein 46-jähriger (auch wenn es nur gegen einen Noname wie Delic geht) in einen Boxring steigt, finde ich das teilweise beeindruckend, aber wenig unterhaltsam.

      Und mal ehrlich, trotz allen Respekts vor Firat – seine körperliche Form war schonmal wesentlich besser und diese langsamen Pittypat-Jabs hinter einer Panzerdeckung locken doch keinen Arsch mehr hinterm Ofen vor. Im Cruiserweight hat sich ein bisschen was getan die letzten Jahre, falls man das in Süßen nicht mitbekommen haben sollte. Da von WM-würdiger Leistung zu sprechen, ist schon ein bisschen verschroben. Ich verstehe Arslan schon, er ist gegen Huck übelst und gegen Hernandez diskussionswürdig beschissen worden und fühlt, er habe nochmal eine Chance verdient. Ich gönne ihm den vermeintlichen Payday von Herzen, aber seine Möglichkeit, WM zu werden, sehe ich bei unter Null, es sei denn vielleicht irgendein WBU-, GBF- oder sonstiger Mickymaus-Titel.

      Allerdings hat Arslan aus meiner Sicht sozusagen ein Patentrezept mit Gelinggarantie für alle Nonboxer erfunden: konsequent Kinn auf die Brust, Deckung hoch und hinter dem Jab nach vorne marschieren, den Gegner downwalken. So könnten selbst Untalente wie Feigenbutz, Mann, Bauer oder Härtel die ein oder andere Überrschung schaffen. Ich verstehe nicht, warum Arslans Stil relativ wenige Nachahmer findet, denn einfacher, kraftsparender und sicherer kann man kaum boxen. Insofern sollte der TRAINER Firat Arslan, falls er mal einsehen sollte, dass sich seine aktive Zeit dem Ende nähert, eine gute Zukunft haben.

  9. Profilbild von globuli
    18. Juli 2017 at 10:56 —

    fettundmuskeln,
    sehr guter Kommentar zu meinem kleinen Beitrag.

  10. Profilbild von Marvin Hagler
    18. Juli 2017 at 11:08 —

    Arslan konnte mit seinem Willen und seiner körperlichen Verfassung, auch mit 46 Jahren, schon immer beeindrucken, aber er sollte das Thema WM-Kampf doch bitte ruhen lassen, die Klasse hat er schon lange nicht mehr!
    Er hat jetzt einen Titel, nicht den besten aber auch nicht den schlechtesten und damit lässt sich auch Geld verdienen und er kann sich seine Gegner passend aussuchen!

    @ Brennov

    Man kann wohl davon ausgehen das sich Kevin Lerena den IBO-WM-Titel holt und gegen den dürfte Arslan keine wirkliche Chance haben!

    @ globuli

    Gutes deutsches oder europäisches Niveau ist doch ok, aber in solchen Kämpfen sollten halt auch die Gegner etwa gleich stark sein wenn es um Titelehren geht!

  11. Profilbild von globuli
    18. Juli 2017 at 11:11 —

    Kommentare müssen nicht in Übereinstimmung mit dem Beitrag eines Schreibers sein, sondern müssten und sollten sich kritisch mit diesem auseinandersetzen.
    Fachlich und rhetorisch schreibt „Fettundmuskeln“ auf dieser Seite, und dies sollte man neidlos anerkennen, meiner Ansicht nach die die besten Kommentare.

  12. Profilbild von globuli
    18. Juli 2017 at 22:29 —

    Eigentlich ist dies ein Tabuthema.
    Ich rühre trotzdem daran.
    Ich habe den Verdacht,dass es sich bei „Cantplayboxingderzweite“ um den ehemaligen User von adrivo “ MainEvent “ handelt.
    Die rhetorische Ähnlichkeit ist jedenfalls frappierend.

    • Profilbild von nicht chip
      18. Juli 2017 at 23:16 —

      Bist du Pfarrer von Beruf du Prediger?

      „Cantplayboxingderzweite“ ist außerdem eindeutig der ehemalige User „Sheriff“ alias „theironfist“ alias „Klitschkonullchen“.

    • Profilbild von Cantplayboxingderzweite

      Eigentlich handelt es sich bei „Cantplayboxingderzweite“ nur um „cantplayboxing“ oder auch gerne „cuntplay“ betitelt. Ich habe keinen zweiten Account da mein halbwissen gerade so für das betreiben eines accounts reicht.

  13. Profilbild von nicht chip
    18. Juli 2017 at 23:09 —

    Wie bekommt man so einen Körper wie Firat Arslan?
    Vom Box-Training ja wohl kaum. Der geht doch bestimmt 2-3x die Woche mind. zusätzlich Gewichte stemmen!?
    Was auch seine mangelnde Boxkünste und Technik erklären würde…

  14. Profilbild von fettundmuskeln
    19. Juli 2017 at 00:13 —

    boxingscene.com/deontay-wilder-luis-ortiz-november-4-barclays-center–118639

    Upps – sollte sich Deospray Windmill etwa trauen? Bin dezent schockiert!

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