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Fehlurteil: Härtel stößt an seine Grenzen

In der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle kam es am Samstagabend im Vorprogramm der World Boxing Super Series vor dem Hauptkampf zwischen Chris Eubank Jr. und Avni Yildirim zu einem groben Fehlurteil. Doch die Zuschauer randalierten nicht erst nach der Urteilsverkündung, sondern schon davor.

Randale im Innenraum

Dramatischen Szenen spielten sich beim Walk-In Stefan Härtels zu seinem Einmarschsong „Ameno“ von Era ab. Im Innenraum fanden sich Zuschauer und Journalisten plötzlich inmitten einer Massenschlägere wieder. Neben einigen Stühlen flogen auch Fäuste. Auf diversen Videos von Besuchern ist zu sehen, dass der Sicherheitsdienst die Situation viel zu spät unter Kontrolle brachte. Bei der Übertragung von ran FIGHTING mit Boxkommentator Tobias Drews wurde kein Wort über diesen unerfreulichen Zwischenfall verloren.

Das nächste unschöne Vorkommnis ereignete sich nach dem Kampf zwischen dem Berliner Stefan Härtel (15-0-0, 1 K.o.) und Viktor Polyakov (13-2-1, 6 K.o.) aus Düsseldorf. Mit dem knappen Punkturteil von 95-95, 96-94 und 96-94 für Härtel lagen die Punktrichter Alexander Plumanns, Jörg Milke und Jürgen Billhardt eindeutig daneben.

Alexander Dimitrenko in Rage

In den sozialen Netzwerken hielt sich die Aufregung um das Urteil in Grenzen, wobei Schwergewichtler Alexander Dimitrenko seinen Unmut noch am selben Abend auf Twitter Luft machte: „Der Promoter von #StefanHärtel hat keine Würde und die Ringrichter sowieso nicht, die den Kampf bedient haben. #boxing #VikorPolyakov.“

Damit brachte der Ukrainer zum Ausdruck, dass der auf zehn Runden angesetzte Kampf recht deutlich für seinen Landsmann hätte gepunktet werden müssen. Dieses Urteil teilten viele Boxexperten und auch der Berliner Boxmanager und Ex-Boxer Sergey Mitchnick, welcher beim Duell in der Ecke von Viktor Polyakov stand.

Gegenüber DG news sagte er: „Polyakov hat diesen Kampf eindeutig nach Punkten gewonnen. Es war von Anfang an der bestimmende Boxer im Ring und hatte in diesem Kampf zahlreiche Treffer. Er hatte mindestens acht von zehn Runden für sich entscheiden können. Härtel hätte man die achte Runde, eventuell noch die siebte Runde geben können. Man könnte damit leben, wenn er insgesamt drei Runden für sich beanspruchen würde, aber der Sieger heißt für mich eindeutig Polyakov. Ich spreche es in aller Deutlichkeit an, weil dieses Urteil nicht gut für das Profiboxen in Deutschland ist. Nach dem Kampf waren viele Menschen auf mich zugekommen und zeigten sich überrascht über diese Wertung. Viele hatten Polyakov mit mindestens fünf Runden vorne gesehen.“

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Einige versuchten den Punktsieg von Stefan Härtel mit der Dominanz seiner guten Führhand und den Meidbewegungen zu rechtfertigen, übersahen aber die härteren Treffer und die druckvollere Aktivität seines Kontrahenten. Polyakov war der präsentere Mann im Ring, der variabel nach vorne marschierte und bei Härtel zwischenzeitlich für Fragezeichen auf dem Gesicht sorgte. Dazu konnte er Härtel sogar einige Male an den Ringseilen stellen. Damit wurde deutlich, dass der Berliner in diesem Fight an seine boxerischen Grenzen gelangt war. Härtel wurde von einem guten Boxer mit einer recht geringen K.o.-Quote von 38 Prozent in Bedrängnis gebracht!

Mitchnik sah Härtel zweimal nah an einem Niederschlag

Mitchnik weiter: „Wenn es um diesen konkreten Kampf geht, dann kam die Führungshand von Härtel auch nicht so oft. Zudem war er zweimal in diesem Kampf nah an einem Niederschlag. Bereits in der ersten Runde hatte Polyakov Stefan mit einem Schlag erwischt, hatte danach aber nicht nachgesetzt. Auch am Ende der neunten Runde war Härtel angeschlagen und nur der Gong hatte ihn in dieser heiklen Situation gerettet.“

Der Schützling von Ulli Wegner schätzte seine Leistung hingegen völlig anders ein. Auf seiner Facebook-Fanpage bekundete Stefan Härtel seine Freude über seinen 15. Sieg in Folge: „War wie erwartet nen schwerer Brocken, aber so knapp habe ich den Kampf dann doch nicht gesehen.“

Mit Viktor Polyakov hatte Härtel den stärksten Gegner seiner bisherigen Laufbahn vor den Fäusten. Im Juli besiegte der Supermittelgewichtler den Ex-Weltmeister Giovanni De Carolis in Rom deutlich nach Punkten (118-110, 117-111, 118-112). Und auch den Fight gegen Stefan Härtel konnte man mit insgesamt drei engen Runden (eine davon hat Härtel bekommen) recht deutlich für Viktor Polyakov punkten. Auf meinem Punktzettel konnte er sich einen Vorsprung von vier Runden erarbeiten.

Wie werten die Boxen-User den kontroversen Fight?

Foto: WBSS

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10 Kommentare

  1. Profilbild von Luzifer
    12. Oktober 2017 at 01:57 —

    War eigentlich auch der Meinung das Härtel verloren hat, hab allerdings direkt nach dem Kampf mit einen Unentschieden gerechnet, weil ja der Sauerlandboxer wohl nicht verlieren darf.
    Frag mich sowieso was Sauerland mit Härtel will? Ein Supermittelgewicht ohne Schlagkraft und langweiligen Boxstil.

  2. Profilbild von Knopster
    12. Oktober 2017 at 07:32 —

    Man braucht anscheint für schwierige Zeiten dann mal Lückenfüller wie härtel, mit denen man dann Kämpfe füllen darf.

    Ich denke auch, dass so einer wie Härtel nie Richtung Weltspitze kommt. Ein Boxer ohne Schlakraft, der auch sonst keine sonderlichen Stärken hat. Wie soll das gehen?

  3. Profilbild von Brennov
    12. Oktober 2017 at 08:47 —

    Das Urteil kann sicher nicht als klares fehlurteil gewertet werden. mehr als 4 runden hat Polyakov einfach nicht klar gewonnen. härtel auch nicht aber als heimboxer hast halt a bissle bonus. alles von 96:94 bis 94:96 wäre in ordnung gewesen. als auswärtsboxer musst du einfach mehr machen um sicher zu gewinnen!

  4. Profilbild von Brennov
    12. Oktober 2017 at 10:22 —

    An die boxen.de Redaktion:
    Wie könnt ihr so nen mist eig. als mledung posten?

  5. Profilbild von ivan
    12. Oktober 2017 at 11:29 —

    Genau sowas macht diesen Sport kaputt!einfach den Kampf überstehen ein paar mal schlagen den Rest machen die Punktrichter!Schade schade

    • Profilbild von Brennov
      12. Oktober 2017 at 12:07 —

      sorry aber Polyakov hat auch nicht gut genug geboxt um klar zu gewinnen. unentschiedne wäre vielleicht das gerechtestes gewesen!

  6. Profilbild von Putin
    12. Oktober 2017 at 14:05 —

    Hoffentlich nimmt Dimitrenko Revanche an Härtel.

  7. Profilbild von fettundmuskeln
    13. Oktober 2017 at 03:36 —

    Also, ich verstehe nicht ganz, warum um diesen Leimsiederkampf so ein Gewese gemacht wird. Polyakov ist halt unangenehm zu boxen mit seinem permanenten Vorwärtsdrang. Aber auch extrem ineffizient, neun von zehn Schlägen gehen auf die Deckung, das kommt halt nicht gut bei den PR. Und Mitchnick labert einen Haufen Müll in meinen Augen: gerade die neunte war für mich ziemlich deutlich bei Härtel. Am Ende hat Polyakov ihn mal erwischt, aber von angeklingelt kann überhaupt keine Rede sein. Klar, Härtel ist der Ottke für Arme, aber den Kampf kann man ihm schon knapp geben. 96:94 geht okay.

  8. Profilbild von Peddersen
    15. Oktober 2017 at 08:17 —

    Fehlurteil??? …Blödsinn!!

    Sehe es ähnlich wie fettundmuskeln. Jede Runde war knapp, es gab keine einzige Runde, die wirklich eindeutig an einen der beiden Kontrahenten ging. War ein reiner Taktikkampf. Die höhere Workrate hatte eindeutig Härtel. Sein Jab ging zwar viel in die Deckung Polyakovs, aber es waren immer noch ein paar mehr Hände drin als Polyakovs oft wilden und unsauberen Aktionen im Infight. Da ging so gut wie alles gegen die Deckung von Härtel. Auch was die Powerpunches angeht – keiner der beiden konnte sich hier einen Vorteil verschaffen. Entscheiden für mich war jedoch der linke Körperhaken von Härtel, der immer wieder sein Ziel fand. Das war für mich der Winner, der ihm sechs Runden leicht nac h vorne brachte. Ja, liebe Regie, Körpertreffer sind auch Treffer, mit denen man punkten kann. Nicht erst dann, wenn sie Wirkung durch Niederschlag erziehlen. Habt ihr wohl übersehen, was?
    Fazit: Der knappe Sieg geht vollkommen in Ordnung. Von Fehlurteil kann hier keine Rede sein.

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