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Die Heuchelei der ARD

Mit der Absage der Ausstrahlung des Kampfes von David Haye gegen Dereck Chisora macht die ARD sich lächerlich. Nicht weil sie die Aktionen Chisoras während des gesamten Wochenendes damals in München und die anschließende Schlägerei mit Haye verurteilt, da liegt sie völlig richtig; das Benehmen der beiden Engländer war idiotisch, rüpelhaft und asozial. Lächerlich an der Absage ist, dass sie nicht aus einer festen Überzeugung resultiert, sondern aus reinem Image-Kalkül.

Wenn man sich etwas näher mit dem sonstigen Sportprogramm der ARD beschäftigt, kann man ihr jetziges Handeln nur noch als blanke Heuchelei abtun. Seit Jahren werden die Sauerland-Kämpfe, bei denen es scheinbar nicht unter zwei Fehlurteilen pro Veranstaltung geht, nahezu im Zwei-Wochen-Takt ausgestrahlt. Daneben, dass man dort wissentlich Betrug toleriert und finanziert, sind auch die Stars dieses Programms alles andere als vorbildhaft, woran man sich aber scheinbar nicht weiter stört. Zudem boxen die Sauerlandkämpfer allesamt unter österreichischer Lizenz, da man Schwierigkeiten mit dem BDB hatte, ein Vorgehen, das nun bei den Engländern aufs Schärfste verurteilt wird.

Auch bei anderen Sportarten wird die Hypokrisie der ARD offensichtlich; die Fußballeuropameisterschaft in der Ukraine wird in einigen Wochen wohl genauso kritiklos übertragen werden wie damals die Olympiade in China. Dass in beiden Ländern Menschenrechte mit Füßen getreten werden, müsste doch Grund genug gewesen sein, die Ausstrahlung der Spiele unterlassen. Es sei denn, man ist der Meinung eine kurze Schlägerei zwischen zwei erwachsenen Männern sei schlimmer als die Inhaftierung und Folter politischer Gegner.
Doch halt! Die ARD hat bereits einmal die Ausstrahlung einer Sportveranstaltung aus moralischen Gründen abgebrochen, nämlich die Ausstrahlung der Tour de France vor einigen Jahren. Doch auch diese Aktion war reines Kalkül, die ARD hatte sich damals nämlich die teuren Übertragungsrechte für die volle Länge der Etappen gesichert. Das Interesse in Deutschland hatte aber im Vergleich zu den Vorjahren, als Jan Ullrich noch um den Sieg mitfuhr, mangels deutschen Erfolges stark nachgelassen. Die ARD brachte im Endeffekt nur ein Bauernopfer indem sie ein zu teures und unpopuläres Format absetzte und sich im Gegenzug als Werteverfechter feiern lassen durfte. In den Folgejahren hat man die Übertragung der Tour de France dann auch nicht eingestellt, sondern sich lediglich die billigeren Rechte für die letzten Etappenkilometer gesichert (erst letztes Jahr gab man dann den endgültigen Ausstieg nach mangelndem Interesse bekannt). In all den Jahren, in denen Ullrich noch um den Sieg mitfuhr, nahm man das Wort Doping bei der ARD nur dann in den Mund, wenn es eine andere Mannschaft als Deutsche Telekom/T-Mobile betraf.

Im Fall Chisora/Haye ist das Vorgehen analog. Denn auch wenn die Ansetzung für eingefleischte Boxfans durchaus interessant ist, so handelt es sich nicht um einen mainstreamtauglichen Kampf in Deutschland, denn es gibt keinen Lokalmatadoren den es zu unterstützen gilt und den Funk- und Printmedien hochjubeln könnten. Auch hier bringt die ARD also nur ein Bauernopfer um das ramponierte Image ihrer Boxübertragungen (die Fehlurteile häuften sich in letzter Zeit und durch die Klitschkos sieht Deutschland mittlerweile Kämpfe, bei denen noch nicht die Punktrichter nachhelfen müssen) aufzubessern. Damit steht sie aber nicht alleine da; nahezu die gesamte deutsche Boxlandschaft hat sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Ansetzung zu verurteilen. Das lenkt davon ab, dass man vielleicht mal vor der eigenen Haustür kehren müsste.

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111 Kommentare

  1. Lothar Türk
    15. Mai 2012 at 20:34 —

    Fast alles richtig an diesem Artikel. Nur, prahlen wir nicht ein wenig zu doll mit den Menschenrechten u. Demokratie ? Heucheln wir nicht auch bei diesem Thema, lassen unsere Blicke zielgerichtet nach draussen richten – um von unseren Problemen und Unzulänglichkeiten im eigenen Land abzulenken. Lasst Euch nicht verdummen.Sportlicher Boykott hat bisher nichts gebracht…

  2. yasin
    15. Mai 2012 at 21:20 —

    darf man überhaupt sowas schreiben? kann die ard dagegen nicht klagen? oder sauerland?

  3. cuba style
    15. Mai 2012 at 21:30 —

    @yasin die sollen mal darüber nachdenken warum alle so über die ard und sauerland denken und wenn sie klagen würden verändert sich ihr image auch nicht jedenfalls nicht zum positiven

  4. Rudy
    15. Mai 2012 at 22:30 —

    Michel:(die Fehlurteile häuften sich in letzter Zeit)

    Kann man wohl sagen,auch ich habe die Huck-Afolabi Auseinandersetzung, noch wohlwollend, mit 3 ausgeglichenen Runden, 116:113 gegen Huck gewertet.Mal in Ruhe bei you tube ansehen.
    Doch es eben fast unmöglich den Punktrichtern Absprache nachzuweisen,solange das eingefleischte Publikum grösstenteils hinter seinem Wirtshausschläger steht.

  5. Bangs
    17. Mai 2012 at 00:56 —

    Das ist doch ehh alles quatsch! Der Kampf findet statt also kann er auch übertragen werden.

  6. Wolfgang
    19. Mai 2012 at 00:30 —

    Ich persönlich würde den Kampf gerne sehen. Warum sich die ARD und die WBC da so anstellen, ist mir etwas schleierhaft. Aber gut, da geht es um viel Geld. Ich denke mal, die werden sich irgendwie so einigen, dass jeder genug in der Tasche hat.

    Die Art der Berichterstattung hingegen, ist unterste Schublade. Das hat mit seriösem Journalismus nichts mehr zu tun. Denkt denn der Schreiber, er hätte die Weisheit mit dem großen Löffel gefressen? Wenn die WBC den Kampf nicht will, so ist das durchaus verständlich. Hat doch die WBC Chisora die Lizenz entzogen. Es ist doch klar, dass der Vorstand sauer wird, wenn seine disziplinarischen Maßnahmen von Winkeladvokaten umgangen werden.

    Ob die ARD den Kampf nun übertragen will oder nicht, ist ganz alleine deren Entscheidung. Die Damen und Herren der ARD sehen sich als öffentlich-rechtliche Sendeanstalt mit einer zweifelhaften Situation konfrontiert und treten daher lieber den Rückzug an, um nachher nicht angreifbar zu sein. Man mag das gut finden oder nicht, man mag daran Kritik üben oder nicht, aber die Wortwahl ist ganz eindeutig daneben.

    Na dann, der Kampf wird sicherlich irgendwo als Stream im Internet zu finden sein. Vielleicht nicht deutscher Sprache, aber was macht das schon!!

  7. Türke
    19. Mai 2012 at 01:20 —

    Was für

    “die anschließende Schlägerei mit Haye verurteilt, da liegt sie völlig richtig; das Benehmen der beiden Engländer war idiotisch, rüpelhaft und asozial.”

    So ein crap, die Jungs sind hallt echte Fighter genau das einzig richtige von Haye sich so einen Müll nicht gefallen zu lassen, Haye is the King! Der Klatscht alle Weg! Kaum lässt sich einer etwas nicht gefallen heulen viele rum :D

    Haye wird es allen zeigen! Haye wird gewinnen!

  8. bigbubu
    20. Mai 2012 at 07:28 —

    @Türke

    “Haye is the King! Der Klatscht alle Weg!”

    Das hat ja bei Wladimir schon richtig gut funktioniert! LOL

  9. Allerta Antifascista!
    3. Juni 2012 at 14:50 —

    kevin22 sagt:
    14. Mai 2012 um 21:05
    @ SergioMartinez

    Ich bin seit über 40 Jahren im Boxsport tätig, aber ich prahle damit nicht rum!
    Das ist der Unterschied zwischen uns beiden!

    Nur weil du seit 40 Jahren Tag für Tag Schläge kassierst bedeutet das nicht das du im Boxsport tätig bist!

  10. Marc
    5. Juli 2012 at 11:27 —

    Gibt es inzwischen einen Sender, der den Kampf überträgt?

  11. Freak
    4. November 2012 at 00:58 —

    Auch das gerade gefällte Urteil war eine Farce. Am besten nicht 12 Runden, sondern Sudden Death nach der 12. Runde bis der erste fällt! Marco hat eindeutig verolren. Es heißt immer der Herausforderer muss Druck machen, das hat Firat getan. Sie sagen Marco hätte die klaren härteren Treffer….komisch das Marco Huck eine Nase wie Disneys Hook nach dem Kampf hatte und Arslan aussah wie vor dem Kampf. System ändern sofort! So geht es echt nicht weiter…

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