Lexikon

Schwergewicht


Schwergewicht:

Gewicht: Über 90,718 kg / 200 lbs.

Bekannte Boxer: Jack Johnson, Joe Louis, Max Schmeling, Rocky Marciano, Floyd Patterson, Sonny Liston, Muhammad Ali, Joe Frazier, George Foreman, Larry Holmes, Mike Tyson, Evander Holyfield, Lennox Lewis, Vitali Klitschko, Wladimir Klitschko

Momentane Weltmeister:
WBA: David Haye
WBC: Vitali Klitschko
IBF: Wladimir Klitschko
WBO: Wladimir Klitschko

Das Schwergewicht ist die absolute Premiumklasse des Boxens und erfreut sich im Grunde seit Beginn des Boxsports der größten Popularität. Einige der illustersten und bekanntesten Boxer aller Zeiten waren Schwergewichtler und über Jahrzehnte hinweg war der Weltmeister im Schwergewicht einer der bekanntesten Männer der Welt und galt als „stärkster“ Mann der Welt. Auch wenn sich das heute, aus welchen verschiedenen Gründen auch immer, ein wenig geändert hat, bleibt der Titel des Schwergewichtsweltmeisters sportartenübergreifend einer der begehrtesten und am meisten respektierten Errungenschaften überhaupt.
Als einzige Gewichtsklasse des Boxens hat das Schwergewicht nach oben hin kein Limit und ist heutzutage auf alles, was sich oberhalb von 90,718 Kilogramm oder leichter zu merkenden 200 britischen Pfund bewegt, bei einem Mindestgewicht von 190 Pfund, festgelegt. Das war jedoch nicht immer so.


Die Ursprünge – Von Sullivan bis Burns

Als der Amerikaner John L. Sullivan am 29. August 1885 gegen Dominick McCaffrey nach 6 Runden zum Sieger erklärt wurde (woraufhin beide eine spontan abgesprochene siebte, unoffizielle Runde ohne Schiedsrichter bestritten), und damit vermutlich als erster Schwergewichtsweltmeister nach den ‚Queensberry-Regeln’, die als Grundlage des modernen Boxsports gelten, in die Geschichte des Sports einging, war das Gewichtslimit im Schwergewicht noch äußerst vage definiert. So steht beispielsweise in James J. Corbetts Buch „Scientific Boxing“, dass nach den „Police Gazette“-Regeln alles, was über 158 Pfund liegt, als Schwergewicht galt. Sullivan, der ebenfalls der letzte Weltmeister im ‚Bare-Knuckle’-Boxen war, und diesen Titel 1889 in 75 Runden gegen Jake Kilrain zum letzten Mal verteidigte, stand mit Gegnern im Ring, die zwischen 150 und 300 Pfund wogen.
Bis 1892 dominierte er das Schwergewicht und besiegte jeden Gegner, bis er auf „Gentleman“ James J. Corbett traf, der als ‚Vater des modernen Boxens’ bekannt geworden ist. Corbett, der mit 178 Pfund 25 Pfund leichter war als Sullivan, boxte den Titelverteidiger clever und mit einem Geschick, welches das Publikum noch nie gesehen hatte. In der 21. Runde schlug er den Champion mit einer Rechten zum Kinn schließlich KO und sorgte somit für eine große Überraschung und das Ende einer Ära.
Corbett verteidigte seinen Titel nur 1-mal erfolgreich, bevor er im allerersten auf Film aufgenommenen Schwergewichtstitelkampf gegen den früheren Weltmeister im Mittelgewicht Bob Fitzsimmons aus Neuseeland in 14 Runden verlor. Fitzsimmons wiederum verlor seinen Titel 2 Jahre später an den ungeschlagenen James J. Jeffries in der 23. Runde. Jeffries war dafür bekannt unglaubliche Nehmerqualitäten zu besitzen und seine Gegner zu zermürben. Er verteidigte den Titel bis 1904 sieben Mal, um sich dann vom Boxen zurückzuziehen, weil nach eigenen Angaben keine würdigen Herausforderer mehr übrig waren.
Im Kampf um den nun vakanten Titel sicherte sich Marvin Hart den Gürtel, der ihn aber bereits im nächsten Kampf an den Kanadier Tommy Burns nach 20 Runden über die Punkte wieder verlor. Burns gelangen einige erfolgreiche Titelverteidigungen bis er 1908 auf Jack Johnson traf.


Jack Johnson – der erste farbige Schwergewichtsweltmeister

Quelle: Wikipedia

Jack Johnson. Quelle: Wikipedia

Johnson hatte bereits 5 Jahre zuvor den „World Colored Heavyweight Championship“ gewonnen, den Schwergewichtstitel für Farbige, der seit 1896 vergeben wurde. Er war ein Beispiel dafür, dass es nicht ganz wahr war, dass James J. Jeffries, bevor er sich zur Ruhe setzte, keine anständigen Gegner mehr finden konnte. Jedoch war es damals undenkbar einem Farbigen die Chance zu geben den begehrtesten Titel des Sports zu gewinnen.
Jack Johnson war für seine außergewöhnlich gute Defensive bekannt und dafür sehr abwartend zu boxen und den Gegner abzukontern. Er galt damals bereits als bester Defensivboxer aller Zeiten und verteidigte den farbigen Gürtel unzählige Male bis er von Tommy Burns als erster farbiger Boxer die Chance auf den offiziellen Titel bekam. Der Kampf selber war von der ersten Runde an einseitig und Johnson beherrschte den Weltmeister deutlich. Nach 14 Runden schritt die Polizei ein und stoppte den Kampf aufgrund der Brutalität des Kampfes und Jack Johnson wurde zum Sieger erklärt.
Mit Johnson als Weltmeister im Schwergewicht kam erstmals der Begriff „great white hope“, der großen weißen Hoffnung auf, da sich große Teile der Bevölkerung einen weißen Weltmeister wünschten und sie Johnson, der als schwarzer Untermensch gesehen wurde, nicht des Titels für würdig hielten. Er verteidigte den Titel vier Mal (3 Siege, 1 Unentschieden), bevor er am 04.07.1910 auf den ungeschlagenen Ex-Weltmeister James J. Jeffries traf.
Jeffries kehrte aus dem Ruhestand zurück, um, laut eigener Aussage, zu beweisen, dass ein weißer Mann besser sei als ein Neger. Die gesamte weiße Bevölkerung der USA hoffte auf Jeffries, doch der Ex-Champ, der bereits über seinen Zenit hinaus war, hatte kaum eine Chance gegen Johnson, der ihn schließlich in der 15. von angesetzten 45 Runden brutal stoppte. Die totale Überlegenheit Johnsons und die Klarheit des Sieges sorgten für die wohl brutalsten Rassenunruhen in den USA bis zur Erschießung Martin Luther Kings. Überall im Land zogen weiße Menschenmassen umher und lynchten wahllos Farbige, die den Sieg von Jack Johnson als Sieg für alle Afroamerikaner offen in den Straßen feierten.
Johnson selber verteidigte seinen Titel noch drei weitere Male, bevor er, beinahe nur noch ein Schatten seiner selbst, den Gürtel 1915 an den „Pottawatomie Riesen“ Jess Willard verlor, der Johnson in der 26. Runde ausknockte.
Der „Colored Heavyweight“ Titel wurde weiter bis zum Jahre 1935 vergeben, da nicht nur die weißen Weltmeister nach Jack Johnson farbigen Boxern keinen Titelkampf gaben, sondern auch Jack Johnson selber nicht. Ringlegenden wie Sam Langford, Harry Wills oder George Godfrey hielten den Gürtel in dieser Zeit.


Der Titel wird herumgereicht – Von Willard über Schmeling bis Braddock

Jess Willard verlor den Titel relativ schnell wieder, als er 1919 mit dem aggressiven und schlagstarken Jack Dempsey in den Ring stieg und, nachdem er in Runde 1 bereits 7-mal am Boden war, nach der dritten Runde schließlich vor weiterem Prügel geschützt wurde. Bis heute wird der Kampf nicht nur wegen der sensationellen ersten Runde weiterhin viel diskutiert, sondern vor allem wegen der populären Theorie, dass Dempseys Handschuhe mit Gips oder einer anderen Substanz gefüllt gewesen sein. Bis heute lässt sich allerdings weder diese Theorie noch das Gegenteil eindeutig beweisen.
Nach vier mehr oder weniger leichten Titelverteidigungen zwischen 1919 und 1923 nahm Dempsey eine dreijährige Auszeit vom Boxen und, obwohl es von vielen Seiten Druck gab dem farbigen Harry Wills eine Titelchance zu geben, behielt Dempsey Gürtel und Titel ohne sie zu verteidigen.
1926 stieg er dann wieder in den Ring, um vor über 120.000 Zuschauern gegen Herausforderer Gene Tunney um den Schwergewichtstitel zu kämpfen. Obwohl Tunney nur eine Niederlage vor diesem Kampf hatte, galt er als der deutliche Außenseiter gegen Dempsey. Jedoch war Dempsey nicht mehr ganz der Alte und der boxerisch starke Tunney konnte Dempsey über 10 Runden überraschenderweise recht deutlich auspunkten. Das Resultat bestätigte sich im Rückkampf, der das exakt gleiche Ergebnis hatte, obwohl Tunney zwischenzeitlich zum ersten Mal in seiner Karriere zu Boden musste und dort berühmt-berüchtigt langsam angezählt wurde.Danach verteidigte Tunney seinen Titel nur noch ein weiteres Mal, bevor er im Jahr 1928 vom Boxsport zurücktrat.
Zu dieser Zeit begann es bereits etwas komplizierter zu werden, was den Titel des Schwergewichtsweltmeisters anging. Denn bis 1920 wurden Weltmeister generell von der amerikanischen Zeitschrift „The National Police Gazette“ anerkannt. 1921 wurde dann die National Boxing Association (NBA) gegründet (aus der 1962 die heutige WBA wurde), und kürte von da an zusammen mit der New York State Athletic Commission, die 1920 gegründet wurde (und mit deren Hilfe später die WBC entstand), meist noch übereinstimmend die Weltmeister.
So wurde der Kampf zwischen dem deutschen Boxidol Max Schmeling und dem Amerikaner Jack Sharkey im Juni 1930 dann auch von beiden Organisationen als Kampf um den vakanten Titel anerkannt. Schmeling, der eine der besten rechten Geraden der Schwergewichtsgeschichte besaß, gewann den Kampf per Disqualifikation nach einem brutalen Tiefschlag von Sharkey in der vierten Runde. Damit ist er der einzige Boxer, der je Weltmeister im Schwergewicht wurde, indem sein Gegner disqualifiziert wurde. Das Interesse an einem Rückkampf war hoch, und nach einer erfolgreichen Titelverteidigung gegen Young Stribling stieg Schmeling 1932 erneut mit Sharkey in den Ring. Diesmal verlor er eine äußerst kontroverse Split Decision nach 15 Runden, wodurch Sharkey zum neuen Weltmeister wurde.
Dieser verlor den Titel aber bereits im nächsten Kampf, als er dem italienischen Riesen Primo Carnera, den er zwei Jahre zuvor bereits geschlagen hatte, per KO in der 6. Runde unterlag. Carnera konnte den Titel immerhin zwei Mal verteidigen, ehe der schlagstarke Max Baer ihn ihm abnahm, der ihn wiederum postwendend an den „Cinderella Man“ Jim Braddock in einer der größten Überraschungen der Boxgeschichte verlor.


KOs am Fließband – Die Ära Joe Louis

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Quelle: Wikipedia

Joe Louis. Quelle: Wikipedia

Ähnlich wie die Weltmeister vor ihm, gelang es auch Jim Braddock nicht, den Weltmeistergürtel lange sein Eigen zu nennen. In seiner ersten Titelverteidigung traf er auf einen Puncher, der in die Boxgeschichte eingehen sollte. Joe Louis war, abgesehen von einer KO-Niederlage gegen Ex-Weltmeister Max Schmeling noch ungeschlagen, und galt als einer der stärksten Puncher aller Zeiten. Ähnlich wie Jack Johnson vor ihm hatte es der „brown bomber“ als Farbiger schwer einen Titelkampf zu bekommen trotz einiger KO-Siege über bekannte Boxer wie Max Baer. Primo Carnera oder Jack Sharkey. 1937 durfte er dann gegen Jim Braddock ran und konnte ihn, nach einer schwierigen ersten Runde, in der Louis zu Boden musste, in der 8. Runde ausknocken. Nach dem Sieg war das größte direkte Ziel für Louis ein Rematch mit Max Schmeling, da er, wie er selber sagte, sich nicht als Champion bezeichnen könne, solange er Max Schmeling nicht geschlagen habe.
Nach 3 erfolgreichen und deutlichen Titelverteidigungen kam es 1938 zum heiß erwarteten Rückkampf, der einer der destruktivsten und berühmtesten der Boxgeschichte werden sollte. Joe Louis beherrschte den Kampf von Anfang bis Ende und schlug Schmeling drei Mal zu Boden, bevor Schmeling nach zwei Minuten und vier Sekunden der ersten Runde ausgezählt wurde. Der Kampf erlangte weit über die Boxszene hinaus Bedeutung, da er als Systemkampf zwischen den USA und Nazideutschland interpretiert wurde. Max Schmeling und Joe Louis wurden Jahre später im Übrigen gute Freunde.
Danach machte sich Louis zu einer Reihe Titelverteidigungen auf und der Begriff des „Bum of the month club“ wurde gefunden, um die oft überforderten Herausforderer zu charakterisieren. Vom Dezember 1940 bis Juni 1941 boxte Louis jeden Monat ein Mal gegen Gegner, die viele als chancenlos ansahen. Bis dahin hatte Joe Louis bereits 11 Herausforderer geschlagen, und die allgemeine Meinung war, dass es niemanden gab, der ihm gefährlich werden könne. Und, obwohl er jeden einzelnen auf dieser Tour, auf der er monatlich einen Herausforderer boxen würde, schlug, wurde es in dieser Zeit deutlich, dass Joe Louis schon nicht mehr ganz der Alte war.
Einer der wenigen, denen Chancen gegen Louis zugetraut wurden, war Halbschwergewichtsweltmeister Billy Conn, der als Grand Finale den Abschluss dieser Tour im Juni 1941 bilden sollte. In dem auf 15 Runden angesetzten Kampf lag Louis nach Punkten zurück, als er zum Ende der 13. Runde den Herausforderer ausknockte und somit seinen Titel behielt.
Nach einiger Zeit in der Armee während des zweiten Weltkriegs verteidigte Louis seinen Titel noch vier Mal. Darunter zwei Mal gegen den späteren Weltmeister Jersey Joe Walcott und ein Mal im deutlicheren Rückkampf gegen Billy Conn. Damit hält Joe Louis bis heute mit 25 erfolgreichen Titelverteidigungen den absoluten Rekord.
Schon in den beiden Kämpfen mit Walcott, war jedoch deutlich geworden, dass Louis klar nachgelassen hatte. Im ersten Kampf war die knappe Punktentscheidung zugunsten Louis sehr umstritten, und im zweiten Kampf mühte er sich zu einem KO-Sieg nachdem er selber am Boden gewesen war. Im September 1950 traf er in seinem letzten Titelkampf auf Ezzard Charles, nachdem er ursprünglich schon zurückgetreten war, aber aufgrund von Geldproblemen erneut in den Ring steigen musste. Charles hatte in der Zwischenzeit den vakanten Titel der National Boxing Association gegen Jersey Joe Walcott gewonnen und wurde nach einem deutlichen Punktsieg gegen den 36-jährigen Louis allgemein als Weltmeister anerkannt.


Der Ungeschlagene und der Zweifachweltmeister – Marciano und Patterson

Im September 1951 boxte Charles erneut gegen Jersey Joe Walcott, obwohl er diesen bereits im März desselben Jahres sowie im Juni 1949 besiegt hatte. Den dritten Kampf jedoch sollte der 37-jährige Walcott dank eines brutalen linken Hakens in der siebten Runde gewinnen, der damit der älteste Boxer war, der den Titel gewonnen hatte. Im darauf folgenden Kampf gewährte Walcott Charles die Chance auf Revanche in einem vierten und letzten Kampf zwischen den beiden, den Walcott diesmal nach Punkten für sich entschied.
Daraufhin hieß sein nächster Gegner 3 Monate später Rocky Marciano. Rocky Marciano hatte bis dahin in 42 Kämpfen 42 Siege mit 37 KOs gefeiert und zwei Jahre zuvor Joe Louis in dessen letztem Kampf brutal KO geschlagen. Doch Walcott konnte Marciano direkt in der ersten Runde zu Boden schicken und danach sich Runde um Runde sichern, bis Marciano ihn in der 13. Runde mit einem der brutalsten Knockouts der Boxgeschichte bezwang.
Der direkte Rückkampf acht Monate später erwies sich als einseitige Angelegenheit, als Marciano nun lediglich eine Runde brauchte um Walcott auszuknocken. Nach 5 weiteren Siegen, davon zwei gegen Ex-Weltmeister Ezzard Charles und einem gegen Halbschwergewichtsweltmeister Archie Moore trat Rocky Marciano ungeschlagen zurück und bleibt damit bis heute der einzige Schwergewichtsweltmeister, der ungeschlagen geblieben ist. Sein Kampfrekord lautet 49 Siege mit 43 KOs bei keiner Niederlage und keinem Unentschieden.
Der nun vakante Titel wurde zwischen dem 21-jährigen Floyd Patterson und dem inzwischen 43 Jahre alten Archie Moore ausgefochten. Patterson gewann per KO in Runde 5 und verteidigte den Titel daraufhin 4-mal, bevor der Schwede Ingemar Johansson ihn überraschend in 3 Runden ausknockte.
Jedoch gelang Patterson das, was vor ihm noch niemandem gelungen war: Er gewann als erster Boxer zum zweiten Mal die Weltmeisterschaft im Schwergewicht, indem er sich revanchierte und Johansson im Rematch KO schlug. Nach einem dritten (und erneut erfolgreichen) Kampf gegen Johansson und einer Titelverteidigung gegen Tom McNeeley traf Floyd Patterson auf den furcht einflößenden und unbeliebten Sonny Liston.
Liston ging als großer Favorit in den Kampf und ließ keinen Zweifel aufkommen, dass diese Einschätzung richtig war. Er knockte Patterson in einer Runde aus und wiederholte das Ganze im direkten Rückkampf gegen Patterson erneut in einer Runde. Doch bereits in seinem nächsten Kampf im Februar 1964 traf er auf einen jungen Olympiasieger namens Cassius Clay.


Die goldene Ära – Ali, Frazier, Foreman & Co

Muhammad Ali. Quelle: Wikipedia

Muhammad Ali. Quelle: Wikipedia

Cassius Clay, der seinen Namen nach dem ersten Kampf gegen Liston zu Muhammad X und später Muhammad Ali änderte, als er zum Islam konvertierte, war in 19 Kämpfen ungeschlagen und hatte bereits gute Boxer wie Archie Moore bezwungen.
Der selbstbewusste, vorlaute Clay galt gegen den gefürchteten Liston als deutlicher Außenseiter, doch Sonny Liston kam nach der sechsten Runde, als es nach Punkten in etwa ausgeglichen war, nicht mehr aus seiner Ecke. Schuld war eine Schulterverletzung, so dass Clay zum Sieger durch technischen KO zu Beginn der siebten Runde erklärt wurde.
Ein Rückkampf zwischen den beiden wurde sofort organisiert und er sollte zu einem der kontroversesten Kämpfe der Boxgeschichte werden. Denn als Sonny Liston nach etwa 2 Minuten der ersten Runde zu Boden ging, hatte kaum jemand den Schlag gesehen, der Liston getroffen hatte, und der nachher als „phantom punch“ bekannt wurde. Auch Ringrichter Jersey Joe Walcott wohl nicht, der verwirrt schien, nach einigem Hin und Her aber schließlich Ali zum KO-Sieger erklärte, da Liston mehr als 10 Sekunden am Boden war nach dem Schlag, der auf Aufnahmen als kurze, schnelle Rechte zu erkennen ist.
Mit Ali war ein neuer Star geboren, der das weiter bestätigte, indem er seinen Titel bis 1967 acht weitere Male verteidigte, unter anderem gegen Ex-Champ Floyd Patterson und WBA-Weltmeister Ernie Terrell. Denn nach Alis erstem Sieg gegen Liston entschied sich die WBA Ali nicht weiter als Weltmeister anzusehen, offiziell, weil er Liston ein Rematch gab. Den vakanten Titel konnte Ernie Terrell gewinnen und zwei Mal verteidigen, während die 1963 gegründete WBC und die New York State Athletic Commission nach wie vor Muhammad Ali als Weltmeister führten.
Obwohl es bereits in den 30ern und 40ern kleinere Unstimmigkeiten zwischen der NYSAC und der NBA gab, was die Anerkennung des Schwergewichtsweltmeisters anging, ist dies doch der erste signifikante, große Schritt zu der Aufsplittung des Weltmeistertitels. Durch den Vereinigungskampf Ali gegen Terrell und Alis Sieg gab es auch nur für kurze Zeit wieder einen unangefochtenen Weltmeister, da Ali nach dem Kampf seine Boxlizenz entzogen wurde.
Zu der Zeit des Vietnam-Krieges sollte Ali zum Wehrdienst eingezogen werden, wogegen er sich allerdings standhaft weigerte, so dass er inhaftiert wurde. Um den vakanten NYSAC-Titel boxten im März 1968 die ungeschlagenen Joe Frazier und Buster Mathis, und um den vakanten WBA-Titel einen Monat später Jimmy Ellis und Jerry Quarry. Frazier und Quarry gewannen jeweils den Titel und trafen sich 1970 zu einem Titelvereinigungskampf. Neben dem NYSAC und dem WBA Titeln stand außerdem der nun vakante WBC Titel auf dem Spiel.
Für die WBC war bis dahin weiterhin Muhammad Ali der Weltmeister gewesen, obwohl er seit 1967 nicht mehr boxen durfte. Ali jedoch legte 11 Tage vor dem Aufeinandertreffen zwischen Frazier und Ellis den WBC-Titel nieder, damit der Kampf um den uneingeschränkten, unangefochtenen Titel gehen konnte. Kurz darauf ging die NYSAC in die WBC über und wurde ein Teil von ihr.
Frazier, bekannt für seinen grandiosen linken Haken, stoppte Ellis in 5 Runden und wurde so zum unangefochtenen Weltmeister. Kurz darauf wurde Ali frei gesprochen und durfte wieder boxen. Nach zwei erfolgreichen Comeback-Kämpfen traf der ungeschlagene Weltmeister des Volks Muhammad Ali auf den ebenfalls ungeschlagenen regulären Weltmeister Joe Frazier. Am Ende einer der am heißesten erwarteten Kämpfe aller Zeiten stand die erste Profiniederlage für Muhammad Ali, als die Punktrichter nach 15 Runden Joe Frazier den Sieg zusprachen.
Frazier gelangen zwei weitere Verteidigungen des Titels, bevor er 1973 erneut auf einen ungeschlagenen Herausforderer traf. George Foreman hatte von 37 Siegen 34 durch KO gewonnen und schlug Frazier, der zuvor noch nie am Boden gewesen war, in 2 Runden 6-mal nieder, bevor der Kampf abgebrochen wurde. Der neue Champion brauchte für seine nächsten beiden Kämpfe nur insgesamt 3 Runden, als er kurzen Prozess mit Jose Roman und Ken Norton machte. 1974 sollte es dann zum „Rumble in the jungle“ kommen.
In der Zwischenzeit hatte es einen Rückkampf zwischen Joe Frazier und Muhammad Ali gegeben, bei dem kein Titel auf dem Spiel stand, und den Ali dieses Mal für sich entscheiden konnte. Seit der Niederlage gegen Frazier 1971 hatte Ali 13 weitere Siege eingefahren und lediglich eine Niederlage gegen Ken Norton kassiert, für die er sich allerdings prompt im Rematch revanchieren konnte.
Im damaligen Zaire sollte Ali nun den ungeschlagenen, und schier unschlagbar erscheinenden Foreman herausfordern. Ali, der überall als krasser Außenseiter galt, erfand für den schlagstarken Foreman die „Rope-a-dope“-Taktik, indem er sich gegen die Seile lehnte und Foreman sich an ihn ausschlagen und ermüden ließ. In einem der bekanntesten Kämpfe der Boxgeschichte und einer der größten Überraschungen des Sports gelang es Ali schließlich in der achten Runde den erschöpften Weltmeister auszuknocken.
Bis zum Jahre 1978 verteidigte Ali den unangefochtenen Titel 10-mal erfolgreich, unter anderem in sehr unterhaltsamen dritten Kämpfen mit Joe Frazier und Ken Norton, die ihm seine einzigen beiden Niederlagen beigebracht hatten. Dann verlor er ihn überraschenderweise gegen Leon Spinks, der zuvor gerade einmal 7 Profikämpfe auf dem Buckel hatte.
Den WBA-Titel erkämpfte sich Ali nur wenige Monate später im Rematch zurück, als er Spinks auspunktete und als erster Boxer zum dritten Mal Schwergewichtsweltmeister wurde, bevor er ein Jahr später ohne weiteren Kampf seinen Rücktritt vom Boxsport ankündigte. Der WBC-Titel war inzwischen Ken Norton ohne Kampf gegeben worden, nachdem er Spinks weggenommen worden war, als er statt gegen Norton zu boxen, den Rückkampf mit Ali einging.


Larry Holmes – Der unbeachtete Champion

Ken Norton verteidigte seinen außerhalb des Ringes gewonnenen Titel am 09.06.1978 zum ersten Mal. Sein Gegner war der ungeschlagene Amerikaner Larry Holmes, der keine 3 Monate zuvor überraschend den schlagstarken Earnie Shavers in einem Eliminator deutlich besiegt hatte. Gegen Norton tat sich Holmes schwerer und vor der fünfzehnten und letzten Runde hatten es alle drei Punktrichter Unentschieden auf ihren Punktezetteln. Die großartige letzte Runde konnte Holmes bei zwei der drei Punktrichter für sich gewinnen und sich somit durch eine Split Decision den Titel sichern. Der Kampf sollte eine Ära im Schwergewicht einläuten, in der der Weltmeister Larry Holmes wenig Beachtung fand und ungerecht kritisiert wurde.
Larry Holmes war im Grunde der direkte Nachfolger von Muhammad Ali, doch sowohl innerhalb des Ringes als auch außerhalb konnte Holmes, der am berühmtesten dafür war Alis Sparringpartner gewesen zu sein, das Publikum nicht annähernd so faszinieren wie sein populärer und illustrer Vorgänger.
Holmes fehlte Alis charismatische Persönlichkeit ebenso wie dessen auffälliger, zuschauerfreundlicher Boxstil, um den Respekt der Fans und der Boxwelt zu erlangen. Dabei verteidigte er seinen WBC-Gürtel 16-mal in den folgenden fünf Jahren und schlug 12 dieser 16 Gegner dabei KO.
Unter seinen Herausforderern, die er zumeist deutlich beherrschte, waren großartige Boxer wie Trevor Berbick, Leon Spinks oder Tim Witherspoon sowie der vom Rücktritt zurückgetretene Ex-Weltmeister Muhammad Ali, der, längst nicht mehr in der Form früherer Jahre, nach 10 einseitigen Runden aufgeben musste. Holmes mied keinen Gegner, was man von kaum einem Schwergewichtsweltmeister je sagen konnte, und war immer noch ungeschlagen.
Sein wohl wichtigster Kampf, um die Kritiker für sich zu gewinnen, kam jedoch wohl im Juni 1982, als er auf die ungeschlagene große weiße Hoffnung Gerry Cooney traf. Cooney war ein ungeheurer Puncher, der im Kampf zuvor Ex-Champ Ken Norton in einer Runde brutal KO geschlagen hatte. In einem von rassistischen Untertönen begleiteten Kampf bestimmte Larry Holmes mit seinem phänomenalen Jab, der wahrscheinlich der beste der Schwergewichtsgeschichte war, und seiner technischen Überlegenheit den Kampf und hatte eher selten Probleme mit dem kruden, doch schlagstarken Cooney. Nachdem Holmes ihn bereits in der zweiten und der neunten Runde am Boden gehabt hatte, war er in der dreizehnten Runde kurz davor Cooney KO zu schlagen, als dessen Ecke das Handtuch schmiss, und Holmes somit durch TKO gewann.
Inzwischen gab es Neuerungen im Boxsport. So war das Gewicht des Schwergewichts 1979 auf 190 Pfund und drüber angehoben worden, weil unter dem Schwergewicht das noch wenig beachtete Cruisergewicht neu eingerichtet wurde, und mit der Gründung der IBF 1983 eine dritte wichtige Organisation geboren worden. Diese sprach am 11. Dezember 1983 Holmes den Titel zu, als dieser sich dazu entschied den WBC-Titel niederzulegen. Holmes verteidigte den IBF-Titel drei Mal, bevor er 1985 auf den ebenfalls noch ungeschlagenen Halbschwergewichtsweltmeister Michael Spinks traf, der zum ersten Mal im Schwergewicht antrat. Dieser schlug Holmes zwei Mal in Folge hauchdünn und beendete die Ära des häufig unbeachteten Schwergewichtsweltmeisters Larry Holmes.


Von Helden und Antihelden – Tyson, Holyfield und Co

Mike Tyson. Quelle: Wikipedia

Mike Tyson. Quelle: Wikipedia

Während Holmes den WBC- und später den IBF-Gürtel verteidigt hatte, wechselte der WBA-Titel von 1980 bis 1987 immer wieder den Besitzer und weder Mike Weaver, Michael Dokes, Tony Tubbs, Tim Witherspoon oder James Bonecrusher Smith noch einer der anderen Weltmeister konnte klar herausstechen. Zwischen 1984 und 1986 sah die Lage um den von Holmes niedergelegten WBC-Titel ähnlich aus, als Tim Witherspoon, Pinklon Thomas und Trevor Berbick den Titel reihum gaben.
Doch es war bereits ein junger Boxer in der Szene erschienen, der durch seine Schüchternheit und Bescheidenheit in Interviews und seine Bissigkeit und Brutalität im Ring auffiel, und schnell zum Publikumsliebling wurde. Im November 1986 traf er auf WBC-Weltmeister Trevor Berbick und schlug ihn in zwei Runden KO. Es wurde spätestens jetzt deutlich, dass Mike Tyson, der durch den Kampf der jüngste Schwergewichtsweltmeister aller Zeiten wurde, das Potenzial hatte ein dominanter Champion zu werden.
Durch Siege über James Bonecrusher Smith und Tony Tucker vereinigte er innerhalb von 9 Monaten alle drei Titel und wurde so zum ersten unangefochtenen Weltmeister seit Muhammad Ali. Der IBF-Titel war Michael Spinks 1987 aberkannt worden, so dass Spinks, weiterhin ungeschlagen, zu diesem Zeitpunkt zwar ohne offiziellen Weltmeistertitel dastand, aber als linearer Champion galt, welcher traditionell beim Boxen große Bedeutung hat. Daher gab es 1988, nachdem Tyson unter anderem Larry Holmes in 4 Runden dessen ersten KO beigebracht hatte, den großen Showdown zwischen Tyson und Spinks. Tyson brauchte nur 91 Sekunden um den überforderten Spinks auszuknocken.
Zu diesem Zeitpunkt erschien Mike Tyson unschlagbar, jedoch wurde Tysons Privatleben immer problematischer und seine Person immer kontroverser. Seine boxerischen Fähigkeiten begannen bereits zu verfallen und im Februar 1990 verlor er in Tokio in der größten Überraschung der Boxgeschichte gegen den 42-1 Außenseiter James Buster Douglas per KO. Ein Jahr später ging er wegen Vergewaltigung ins Gefängnis.
Douglas verlor den Titel direkt an den ungeschlagenen ehemaligen Cruisergewichtsweltmeister Evander Holyfield, der ihn in 3 Runden KO schlug. Holyfield verteidigte den Titel wiederum, bis er auf den ebenfalls ungeschlagenen Riddick Bowe traf. Die beiden lieferten sich eine der bemerkenswertesten und spannendsten Trilogien der Boxgeschichte.
Den ersten Kampf gewann Riddick Bowe per UD in einer phantastischen Schlacht, die ein Jahr später ihre Fortsetzung finden sollte. Bowe hatte in der Zwischenzeit den WBC-Titel niedergelegt, um nicht gegen Lennox Lewis boxen zu müssen, so dass bei dem Rückkampf nur noch die WBA- und IBF-Titel auf dem Spiel standen.
In einer weiteren Schlacht, die in der siebten Runde für 21 Minuten unterbrochen werden musste, als ein Fallschirmspringer auf den Ringseilen landete, gewann dieses Mal Holyfield knapp nach Punkten. Der Bedarf nach einem dritten Kampf der beiden war da, und dieses Mal gewann Bowe per KO in einem weiteren tollen Kampf.
Jedoch war bei diesem dritten Aufeinandertreffen kein Titel zu vergeben, da Holyfield zuvor gegen den ungeschlagenen ehemaligen Halbschwergewichtsweltmeister Michael Moorer beide Titel verloren hatte. Moorer hatte zuvor bereits ein Mal den relativ neuen, aber noch komplett unbeachteten WBO-Titel gewonnen, ihn aber nicht weiter verteidigt. Die WBA- und IBF-Titel verlor er bereits im nächsten Kampf, als ihn der 45-jährige George Foreman, der 1987 nach 10 Jahren ohne Kampf wieder angefangen hatte zu boxen, in der zehnten Runde KO schlug. Foreman wurde dadurch zum ältesten Boxer aller Zeiten, der eine Schwergewichtsweltmeisterschaft gewinnt.


Die letzten 15 Jahre – Lennox Lewis und die Klitschkos

Lennox Lewis. Quelle: Wikipedia

Lennox Lewis. Quelle: Wikipedia

Zu dieser Zeit wurde es nun schwieriger denn je einen echten Schwergewichtsweltmeister auszumachen, da die Titel komplett aufgesplittet waren und sich langsam mit der WBO auch noch ein vierter wichtiger Verband etablierte. Von 1994 bis 1997 war George Foreman der lineare Schwergewichtsweltmeister, jedoch hielt er seit 1995 bereits keinen Titel der 4 Verbände mehr, so dass man möglicherweise 5 Weltmeister hatte.
Nachträglich bleibt aus dieser Zeit vor allem Lennox Lewis hervorzuheben, der Ende 1992 zum WBC-Weltmeister ernannt wurde und bis zu seinem Rücktritt vom Sport 2003 18 Kämpfe um den Titel hatte. Nur Oliver McCall und Hasim Rahman konnten ihn schlagen, und beide Niederlagen rächte er in erfolgreichen Rückkämpfen.
1999 trat er zwei Mal mit Evander Holyfield in den Ring, um die WBC-, WBA- und IBF-Titel zu vereinigen. Dieser hatte die beiden Titel von Michael Moorer und Mike Tyson, der aus dem Gefängnis zurück erneut Weltmeister wurde, gewonnen. Der zweite Kampf von Holyfield und Tyson wurde berühmt-berüchtigt, als der inzwischen vom beliebten Star zum absoluten Feindbild verkommene Tyson Holyfield Teile des Ohrs abbiss.
Im Kampf um die drei Titel und damit praktisch um die unangefochtene Weltmeisterschaft, da die WBO noch als unbedeutend galt, gewann Lewis gegen Holyfield im Rückkampf nach Punkten, nachdem der erste Kampf kontroverserweise unentschieden endete.
Lewis wurde 2000 der WBA-Titel aberkannt, den daraufhin erneut Evander Holyfield gewann, als er John Ruiz schlug. Ruiz gewann ihn allerdings zurück und behielt ihn bis 2005 mit Ausnahme einer kleinen Pause im Jahr 2003, als Roy Jones Jr. als erster Boxer seit Bob Fitzsimmons über 100 Jahre vor ihm als ehemaliger Mittelgewichtsweltmeister den Schwergewichtstitel gewinnen konnte. Jedoch legte Jones Jr. ihn sofort danach wieder nieder um zurück ins Halbschwergewicht zu gehen und die WBA gab Ruiz den Interimstitel.
2005 verlor er den Titel an den ungeschlagenen Nikolay Valuev, der ihn später an den ebenfalls ungeschlagenen Ruslan Chagaev verlor. Valuev wiederum verlor den Titel 2009 an den ehemaligen Cruisergewichtsweltmeister David Haye.
Den IBF-Gürtel legte Lennox Lewis 2002 nieder, anstatt gegen Chris Byrd zu boxen, der daraufhin den vakanten Titel gegen Evander Holyfield gewann. Nach ein paar Titelverteidigungen verlor Byrd den Titel 2006 an Wladimir Klitschko, der zuvor bereits lange Zeit den WBO-Titel inne gehabt hatte. Wladimir Klitschko hält den IBF-Titel zur Zeit immer noch.
Der WBC-Titel wurde nach Lennox Lewis Rücktritt vakant und Wladimirs Bruder Vitali Klitschko gewann ihn 2004. Ende 2005 gab Vitali aufgrund einer Verletzung seinen Rücktritt bekannt und der Titel wanderte von Hasim Rahman über Oleg Maskaev an Samuel Peter, der ihn 2008 an Vitali Klitschko, der damals in den Ring zurückkehrte, verlor.
Der WBO-Titel, den Wladimir Klitschko im Oktober 2002 gewonnen hatte, und der in etwa zu dem Zeitpunkt erstmalig ernst genommen wurde, wechselte 2003 den Besitzer als Wladimir überraschend gegen Corrie Sanders verlor. Nachdem Sanders ihn niederlegte, gewann Lamon Brewster den vakanten Titel gegen Wladimir Klitschko, bis er später über Sergei Lyakhovich und Shannon Briggs an den Russen Sultan Ibragimov ging.
Am 23. Februar 2008 kam es zum ersten Titelvereinigungskampf im Schwergewicht seit Jahren, als Wladimir Klitschko und Sultan Ibragimov aufeinander trafen. In einem enttäuschenden Kampf gewann Klitschko deutlich nach Punkten.
Ein weiterer wichtiger Schritt, um den wahren Schwergewichtsweltmeister festzustellen, wurde im Juni 2009 gemacht, als der eigentliche Weltmeister der WBA Ruslan Chagaev gegen den Doppelweltmeister Wladimir Klitschko antrat. Den auf dem Spiel stehenden vakanten Titel des hoch angesehenen Ring-Magazines gewann Wladimir Klitschko in einem einseitigen Kampf in 9 Runden. Zwar ergatterte er nicht den WBA-Gürtel, jedoch wird seitdem Wladimir Klitschko weitesgehend als „wahrer“ Schwergewichtsweltmeister anerkannt.


Retrospektiv – Die Besten der Besten

Rückblickend ist es erschreckend, wie viele Weltmeister zu ihrer Zeit nicht wirklich wert geschätzt wurden und ihre Zeit brauchten, bis die Boxwelt ihnen ihren wohl verdienten Respekt zollte. Larry Holmes, der zu seiner Zeit wenig Beachtung fand, wird heute von den meisten Fachleuten als einer der 5 besten Schwergewichtler aller Zeiten angesehen und Lennox Lewis, den viel Kritik traf, als er noch aktiv war, konnte sich in den letzten Jahren einer deutlichen Steigerund seiner Wertschätzung erfreuen. Auch er wird heutzutage von einigen Experten zu den 5 besten Schwergewichtlern aller Zeiten gezählt.
Einigkeit herrscht jedoch auch unter den Experten nicht. Doch so einig, wie sie sich nur eben möglich zu sein scheinen können, sind sie sich zumindest größtenteils darüber, dass Muhammad Ali und Joe Louis die beiden besten Schwergewichtler waren, die wir je gesehen haben. Viele sehen Ali als „the greatest“, wie er sich ja auch selber nannte, aber ebenso gibt es Fachleute, die Louis vorne sehen und es wird weiterhin viel darüber debattiert.
Ebenso scheint ziemliche Einigkeit darüber zu herrschen, dass man Boxer wie Jack Johnson, Rocky Marciano, George Foreman, Jack Dempsey, Joe Frazier, Sonny Liston oder Mike Tyson nicht vergessen sollte, wenn man über die besten Boxer spricht, die das Schwergewicht unsicher gemacht haben.
Die Klitschko-Brüder sind in diesen elitären Kreisen noch (!) nicht ganz angekommen, jedoch haben sie als noch aktive Boxer nicht nur noch Zeit einige spektakuläre Kämpfe abzuliefern; es scheint sicher, dass man einige Jahre nach dem Ende ihrer Karrieren warten muss, um zu sehen welchen Platz in der Geschichte sie sich im Endeffekt sichern konnten.

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4 Kommentare

  1. 14. Oktober 2009 at 14:01

    […] Nikolai Valuev gegen David Haye Titel: WBA Weltmeister im Schwergewicht Wo: Arena Nürnberger Versicherung Wann: […]

  2. 14. Oktober 2009 at 16:45

    […] Haye, der sich in England auf den Kampf vorbereiten wird, gibt sich siegessicher: Ich werde den Schwergewichtstitel mit nach Hause […]

  3. 19. Oktober 2009 at 13:25

    […] Titel: WBC-Weltmeisterschaft im Schwergewicht […]

  4. […] WBF-Schwergewichtskampf zwischen Francois Botha und Pedro Carrion in Dessau verlief am vergangenen Wochenende wenig […]

Boxen.de - Redaktion

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