Boxen als Schulsportangebot: In NRW unerwünscht

In Niedersachsen, in der Hansestadt Hamburg ist Boxen seit geraumer Zeit als außerunterrichtliches Angebot im Schulsport des Bundeslandes verankert. Im größten deutschen Bundesland, in Nordrhein-Westfalen, wird es auf lange Sicht ein solches Angebot nicht geben. Wie der zuständige Referatsleiter für den Schulsport des Landes NRW soeben mitteilt, „gibt es aktuell keine Bestrebungen, den Boxsport an Schulen verbindlich als Teilbereich des unterrichtlichen oder außerunterrichtlichen Schulsports einzuführen“. Insbesondere, so schreibt der Referatsleiter, gäbe es neben“ pädagogischer Begründungszusammenhänge weiterhin Sicherheitsbedenken“, Außerdem bestünden „weiterhin Verletzungs- und Gesundheitsrisiken“. Der Referatsleiter räumt allerdings ein, dass „letztlich die Schulen über ihr außerunterrichtliches …. Sportangebot“ entscheiden, die hierbei aber die „Rahmenvorgaben“ für den Schulsport, die das Ministerium setzt, beachten müssen. Insgesamt wird deutlich, dass das NRW-Ministerium ein Boxangebot in den Schulen des Landes nicht unterstützt. Die geäußerten Sicherheitsbedenken werden in anderen Bundesländern, wie wir gesehen haben (vergleiche den entsprechenden Artikel), anders beurteilt. Verletzungsrisiken beim Boxsport werden nicht höher als in anderen Sportarten gesehen. Die vom Ministerium genannten  „pädagogischen Begründungszusammenhänge“, die gegen den Schulboxsport …

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Angreifen und Kontern: Anmerkungen zu den Kampfstilen

Als Muhammad Ali Ende Oktober 1974 im „Rumble in the Jungle“ einen der sensationellsten WM-Kämpfe im Schwergewicht gegen George Foreman bestritt, war dies auch ein Duell von zwei grundlegend verschiedenen Kampfstilen. Auf der einen Seite George Foreman, ein Puncher, der ausschließlich auf den vorzeitigen Sieg aus war und den man dauernd mit vorgebeugtem Oberkörper und mit wilden langen Haken scheinbar unermüdlich schlagend im Angriff sah. Ali verharrte dagegen  fast während des gesamten Kampfes in der strikten Defensive des „Rope-and-Dope“: An den Seilen klebend, den Kopf weit zurück pendelnd, schaffte er es, sich damit meistens aus der Reichweite des wild angreifenden Foreman zu begeben. Nach ungefähr der Hälfte des Kampfes verließen dem Weltmeister die Kräfte, was Ali, der ihn ständig beobachtet hatte, registrierte. Und dann der finale Schlag in der achten Runde, der KO-Sieg, der Ali erneut den Schwergewichtsweltmeistertitel brachte. Ali wusste um seine physische Unterlegenheit im Vergleich zu Foreman und konnte nach seiner Einschätzung nur in der strikten Defensive überleben.  Was sind also die grundlegenden …

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Boxen und Schulsport

Wenn vor gar nicht allzu langer Zeit jemand gefordert hätte, dass das Boxen im Schulsport Eingang halten solle, wäre ihm wohl breitester Widerstand, mehr noch Empörung beschieden gewesen. Bis in die 1990er Jahre hinein galt Boxen bei der Mehrheit der Bevölkerung als brutaler Kampfsport, der mit Blut, Blessuren, Verletzungen, Entstellungen assoziiert wurde. Dass solche Vorurteile eher mit  Erfahrungen aus dem Profiboxen zu tun hatten und kaum etwas mit dem olympischen Amateurboxsport, wurde von kaum jemanden zutreffend eingeordnet. Erst mit den Kämpfen des  Profi-Halbschwergewichtlers  Henry Maskes, der sich auch im olympischen Amateurboxen mit dem Gewinn des Olympiasiegs (im Mittelgewicht)  und Weltmeistertitels einen Namen gemacht hatte, bahnte sich Mitte der 1990er Jahre  eine allmähliche Änderung der öffentlichen Meinung an, wenn’s ums Boxen ging. Ab der Mitte des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends wurden in Deutschland sogar erste Töne vernommen, die von einer Integration des Boxsports in den Schulsport, natürlich zunächst in außerunterrichtlichen Bezügen, ausgingen. Natürlich waren zunächst starke Widerstände zu spüren, die sich gegen ein solches Ansinnen richteten.   …

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Tod einer Trainerlegende: Der Mann hinter Ali

Im Alter von 90 Jahren verstarb am Mittwoch, dem 01. Februar 2012, Angelo Dundee. Nach Angaben des „Miami Herold“ erlag er in einem Krankenhaus in Miami den Folgen eines Herzinfarktes. Vor einer Woche noch war er wegen eines Blutgerinnsels ärztlich behandelt worden.  Mitte Januar hatte Dundee an den Feiern zum 70. Geburtstag von Muhammad Ali teilgenommen. Jimmy Dundee, sein Sohn, erklärte, dass „Angelo  …  im Beisein seiner Familie und seiner engsten Freunde gestorben“ sei. Er sei „sehr glücklich darüber gewesen, dass er Alis 70. Geburtstag noch erleben durfte“. Angelo Dundee wurde am 30. August 1921 in Philadelphia geboren. Er hieß eigentlich Angelo Mereno. Er und sein Bruder „tauften“ sich aber nach dem US-amerikanischen Leichtgewichtler Johnny Dundee um. Angelo Dundee war Schüler des bekannten Boxtrainers Lou Stillman. Er zog nach New York, später nach Miami  (Florida) und beteiligte sich dort an der später weltbekannten Boxschule „Fifth Street Gym“. Den ersten von ihm  trainierten Boxer, der über die US-Grenzen ein Markenzeichen wurde, kann man in  Carmen Basilo …

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Anmerkungen zum Konditionstraining

Jeder, der schon mal aktiv im Boxsport dabei war, weiß, dass die körperliche Ausdauerfähigkeit, die konditionellen Kräfte, die entscheidenden Voraussetzungen für erfolgreiches Boxen sind. Selbst die besten Techniker und  die Boxer mit der größten Schlagkraft müssen ein Grundpotenzial an Kondition aufgebaut haben, bevor sie in den Ring steigen.  Beim Boxkampf ist der gesamte Körper beansprucht. Wenn der Boxer (natürlich auch die Boxerin!) im Ring  bestehen will, muss  er in der Lage sein,  über eine längere Zeit hin schlagfähig sowie schnell und hinreichend beweglich zu bleiben. Auch das Konditionstraining muss so gestaltet sein, dass es den Forderungen, die im Ring an den Boxer gestellt werden, möglichst angepasst ist. Es sollte also vorzugsweise  „boxspezifisch“ ausgerichtet sein.   Boxtraining und Langstrecke Es wäre aber für Boxsportler wenig sinnvoll,  nach moderneren Trainerkonzepten sogar grundlegend falsch,  wenn sie ein Konditionstraining entwickeln würden, das dem Ausdauertraining eines Langstreckenläufers gliche. Für Ausdauersportler, den Jogger,  auch für den, der für Langstreckenwettkämpfe trainiert,  gilt,  dass sie während des Trainings und auch im Wettkampf selbst …

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Manuel Charr: Weg, Training, Ziel

 Als ich Manuel Charr telefonisch erreiche, sitzt er in seinem Auto und erzählt mir, dass er auf der angestrengten Suche nach einem Steakhouse sei. Er habe Appetit auf Fleisch, finde aber kein Restaurant und sei schon fast verhungert. Es wird eine lustige, aber auch anregende und informative  Unterhaltung, und  er gibt gern Auskunft über sich und  seine Trainingsvorbereitung, wenn’s um wichtige  Kämpfe geht. Blicken wir also auf den Werdegang Manuels und auf seine Vorbereitungen. Der Weg Manuel Omeirat-Charr wird in Beirut / Libanon geboren, am 10. Oktober 1984. Er ist syrischer Nationalität  und wohnt derzeit in Köln. Seine Zeit als Kampfsportler beginnt als Kickboxer in Essen. Kurze Zeit später geht er ins Profilager als Thai-Kickboxer. Aber er ist gleichzeitig Mitglied im BC Erle in Gelsenkirchen, einem Amateurboxclub. Als Amateur verzeichnet Manuel 16 Siege bei 13 KOs. Diese KO-Rate ist für Amateurboxer recht ungewöhnlich. Er bringt es dabei bis zum Westdeutschen Meister im Jahre 2004. Ab dem 2005 schlägt Charr die Profilaufbahn ein. Über das Trainingslager …

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Training: Von Säcken, Birnen, Pratzen

Unter den Boxinteressenten (und -interessentinnen natürlich!) gibt es zweifellos viele, die sich mit den herkömmlichen Trainingsgeräten beim Boxtraining auskennen.  Andere möchten vielleicht etwas mehr über diese Geräte, die zum Grundlagentraining des Boxens zählen, erfahren oder ihre Kenntnisse dazu auffrischen.  Es geht hier um Geräte, die  grundlegende Boxfähigkeiten trainieren und weiter ausbauen.  Für diesen Zweck sind diese Geräte  unverzichtbar.  Dass Boxen die Sportart ist, die am meisten dazu beiträgt, Fitness aufzubauen, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Erfolgreiches Boxen verlangt eine stabile und ausgebaute Kondition. Schnelligkeit, Reaktionsvermögen werden trainiert. Krafttraining kommt dazu. Nicht zuletzt sind psychische Trainingsaspekte des Boxtrainings zu nennen: Ausgeglichenheit, zielgerichtete und kontrollierte Aggressivität, Mut, Widerstandsfähigkeit. Bert Brecht, ein Boxfan,  sagte mal, dass in einem  Boxkampf Überlebensstrategien wirksam werden.  Im Grunde werden  beim Boxen alle Fähigkeiten trainiert, die den Sport als Ganzes ausmachen. Trainingsgeräte in der Halle helfen dabei und sind dabei unterschiedlich wirksam. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit dem Sandsack, den Birnen und den Pratzen.  Vorbereitungen zum Gerätetraining Zunächst gilt’s, mit Bandagen die …

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Training 1974: Ali vs. Foreman

Fast genau 37 Jahre ist es her, dass Muhammad Ali im „Rumble in the Jungle“  in Kinshasa (Zaire, heute Kongo) am 30. Oktober  1974 gegen George Foreman sensationell ein zweites Mal Weltmeister werden konnte. Der Sieg wird nicht zuletzt seiner überlegenen körperlichen Verfassung zugeschrieben. Deshalb lohnt es sich vielleicht, einen  Blick auf die Kampfvorbereitung Alis zu werfen. Wie sah das Training des Größten vor dem Kampf aus?  37 Jahre sind vergangen, vieles hat sich im Trainingsaufbau der Profiboxer, zumal ihrer bekanntesten Vertreter,  verändert.  Dennoch erscheint das Training Alis, das hier natürlich nur auszugsweise vorgestellt werden kann,   auch für heutige Verhältnisse  noch erhellende Aspekte  zu bieten. Schau‘n  wir also, wie sich das Training des Größten damals in einigen Punkten gestaltete. Natürlich wird auch der Kampf selbst kurz geschildert. Die Vorbereitung Ali schreibt in seiner ersten Autobiographie (1976), dass er für die Vorbereitung des Kampfes zwei Monate benötige. Eine längere Zeit, wie sie damals andere Schwergewichtsgrößen beanspruchten, brauche er nicht. Durch seine vielen Kämpfe  bleibe  er eigentlich …

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