Happy Birthday, Karl Mildenberger

Selten wurde eine Niederlage von den Boxfans derart gefeiert.  Am 10. September 1966 verlor Karl Mildenberger durch TKO gegen Muhammad Ali. Ein schwerer Cut über dem linken Auge brachte in der zwölften Runde das endgültige Aus. 45.000 Zuschauer hatten sich im Frankfurter Waldstadion eingefunden, und sie sahen den besten Mildenberger, den es je gegeben hat. Der Rechtsausleger brachte einige Male den Schwergewichtsweltmeister in Bedrängnis, kam mit seiner Linken mehrfach gut durch.  Nach dem Kampf wird Mildenberger von seinen Anhängern auf den Schultern durch den Ring getragen, die Massen sind von ihm begeistert. Und Ali äußert sich später, dass Mildenberger einer der schwersten Gegner seiner gesamten Laufbahn gewesen sei. Es war nicht immer so, dass Mildenberger der gefeierte Boxstar in Deutschland gewesen ist. Nach seiner KO-Niederlage in der ersten Runde gegen Dick Richardson  im Kampf um die Europameisterschaft im Schwergewicht in der Dortmunder Westfalenfalle im Februar 1962  sprach man jahrelang von „Karl dem Flachen“.  Zwei Jahre später gelang es Mildenberger, durch einen Erstrunden-KO gegen Sante Amonti …

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Bob Fitzsimmons: Dreifach-Weltmeister im Mittel,- Halbschwer- und Schwergewicht

Als der Weltmeister im Mittelgewicht, Bob Fitzsimmons, im März 1897gegen den damaligen Schwergewichtsweltmeister Corbett antritt, ist er nach Einschätzung der „Experten“ chancenlos. Der Kampf scheint auch genau so abzulaufen. Corbett ist dem Herausforderer weit überlegen, kann ihn aber nicht zu Boden zwingen. In der vierzehnten Runde geschieht das Unfassbare: Corbett sinkt nach einem Treffer auf den Solarplexus auf die Knie, kommt nicht mehr hoch, wird ausgezählt. Der Mittelgewichtschamp ist Weltmeister im Schwergewicht. Familie und erste Boxversuche Bob Fitzsimmons kommt als Robert James Fitzsimmons am 26. Mai  1863 in dem kleinen, aber historisch bedeutsamen Ort Helston in Cornwall (Großbritannien) als jüngstes von zwölf Kindern zur Welt. Seine Eltern sind der in Irland geborene James Fitzsimmons und die aus Cornwall stammende Jane Strongman. Zwei Jahre ist er alt (in anderen Quellen ist er zwölf Jahre), als seine Eltern Cornwall den Rücken kehren und mit Sack und Pack nach Timaru in Neuseeland übersiedeln. In dem Ort leben viele Siedler aus Cornwall, so dass sich die Familie fast „heimisch“ …

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Stanley Ketchel: Der Mittelgewichtschamp, der die Schwergewichtslegende Jack Johnson am Boden hatte

Mitte Oktober 1909 kommt es zu einem der legendärsten Kämpfe der gesamten Boxgeschichte. Der Mittelgewichtler Stanley Ketchel fordert den Weltmeister im Schwergewicht heraus. Und steht kurz vor dem Knockout-Sieg, als er den großen Jack Johnson mit einer vernichtenden Rechten zu Boden zwingt. Aber Jack Johnson kommt zurück, verpasst dem Mittelgewichtler seinerseits eine fürchterliche Rechte, die Ketchel für Minuten flach auf den Boden streckt. Mit 24 Jahren wird Ketchel von einem wohl eifersuchtsgeplagten Mann ermordet. Noch heute finden sich Verehrer Ketchels auf der Farm ein, wo der Mord geschah. Familie und erste Boxversuche Stanley Ketchel wird am 14. September 1886 in Grand Rapids im US-Bundesstaat Michigan als Stanislaus Kiecal geboren. Sein Vater, Tomasz Kiecal, stammt aus einem kleinen Dorf im heutigen Zentralpolen und war in die USA ausgewandert. Julia Kiecal, seine Mutter, war die Tochter eines Amerikaners und einer Russin.  Der kleine Stanley meidet die Schule, wo es nur geht. Stattdessen ist er Mitglied einer Straßengang, die die Stadt unsicher macht. In seiner Gang ist er …

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Walter Neusel und der Megakampf gegen Schmeling

Im Unterschied zu Max Schmeling ist sein Name nur noch bei wenigen Boxanhängern bekannt. Zu Unrecht. Denn Walter Neusel gehörte in den 1930er Jahren zur absoluten Spitze des deutschen und europäischen Schwergewichts. Zeitweise war er auf den vordersten Plätzen in den Ranglisten des Welt-Schwergewichts zu finden. Als er im Juni 1934 gegen Max Schmeling in Hamburg vor einer Kulisse antritt, die es nie wieder in Deutschland und Europa geben sollte,  geht es nicht nur darum, wer der stärkste deutsche Schwergewichtler ist, sondern auch darum, wer sich eine bessere Ausgangsposition für einen Titelkampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht in den USA verschaffen kann. Familie und Amateurzeit Walter Neusel wird am 25. November 1907 in Bochum geboren.  Die Familie zieht kurz nach seiner Geburt nach Wanne-Eickel. Die Eltern besitzen dort eine Bäckerei und einen Lebensmittelladen. Sein Vater  stirbt früh, und der noch nicht erwachsene Walter muss in den beiden Geschäften aushelfen. Er bringt mit der Kutsche die Bäckerwaren in die Zechensiedlungen. Zu dieser Zeit hat Walter mit …

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Riddick Bowe: Schwergewichtsweltmeister, von dem viel mehr erwartet wurde

Jedem Boxfan sind die drei Kämpfe Riddick Bowes mit Evander Holyfield in Erinnerung.  Insbesondere der Kampf, bei dem ein in den Ring schwebender Gleitschirm eines verrückten Fallschirmspringers für eine mehr als halbstündige Unterbrechung der Auseinandersetzung sorgte. Im ersten Kampf gegen Holyfield ist es die zehnte Runde, die noch heute bei vielen Boxkennern Zungenschnalzen auslöst. Die Runde gilt als eine der dramatischsten Runden, die jemals bei Weltmeisterschaftskämpfen im Schwergewicht zu sehen waren. Das riesige Talent Bowes ist aber nie ganz ausgeschöpft worden. Familie und Amateurzeit Geboren ist er als Riddick Lamont Bowe am 10. August 1967 in Brooklyn/New York, im Stadtviertel Brownsville, das zu den verrufensten Gegenden in der Umgebung New Yorks, ja in den gesamten Vereinigten Staaten zu dieser Zeit zählt. Er ist das zwölfte von dreizehn Kindern seiner Mutter, Dorothy Bowe, einer Fabrikarbeiterin. Sein Vater verlässt die Familie, als er noch in den Kinderschuhen steckt.  Einer seiner Brüder, Henry, stirbt noch jung an der Aids-Krankheit. Seine Schwester Brenda wird bei einem Raubüberfall erstochen. Übrigens: …

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Ezzard Charles: Zwischen Joe Louis und Rocky Marciano

Zwei Kämpfe machen Ezzard Charles, den Exweltmeister im Schwergewicht, unsterblich. Zwei Kämpfe, die zu den größten  in der Geschichte des Schwergewichts zählen. Es sind die Gigantenfights gegen Rocky Marciano, die  vielen Boxfans unvergesslich bleiben. Zwei Kämpfe, die Ezzard Charles zwar letztlich verlor, die aber Boxgeschichte schrieben. Anfänge Sechzehn Jahre ist der am 07. Juli 1921 in Lawrenceville (US-Staat Georgia) geborene Ezzard Mack Charles alt, als Joe Louis Schwergewichtsweltmeister durch einen Sieg über Braddock wird. Der Farmersohn wohnt bei seiner Großmutter und gilt als gut erzogener Junge. Erstes Geld verdient er sich als Botenjunge, von dem er ein Teil für Geschenke an seine Großmutter ausgibt. Dies führt er auch später fort, als er hohe Börsen kassierte. Seine Großmutter erzählt den Reportern, wie „anständig und ordentlich“ ihr Enkel sei. Mit neunzig Jahren erlebt sie noch, wie ihr Enkel Weltmeister im Schwergewicht wird. Schon früh beginnt Charles mit dem Boxen und hat Glück, auf einen hervorragenden Trainer, nämlich Jimmy Brown, zu treffen. Er startet seine  Laufbahn im Amateurlager …

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Jack Sharkey und die Skandalkämpfe gegen Max Schmeling

Zwei Mal tritt Jack Sharkey gegen Max Schmeling an. Zwei Mal endet der Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht in einem Skandal. In Kampf 1 ist Sharkey punktmäßig weit vorn, bis er Schmeling mit einem Tiefschlag auf die Bretter schickt und disqualifiziert wird. Im Rematch wird er von Schmeling fünfzehn Runden lang beherrscht. Das Urteil gilt als eines der größten Skandale in der Geschichte des Schwergewichts, denn Sharkey wird zum Sieger ausgerufen, und Schmeling verliert seinen Titel. Die Laufbahn des aus Litauen stammenden Sharkey zeigt aber noch einige weitere Ereignisse, die in der Geschichte des Schwergewichts eine Rolle spielen. Erste Schritte Zur Kindheit und Jugend Sharkeys geben die Quellen wenig her. Erst ab seiner Zeit bei der US-Marine werden die Informationen dichter. Als Joseph Paul Zukauskas wird Jack Sharkey am 26. Oktober 1902 in dem kleinen Ort Binghamton im Bundestaat New York geboren. Seine Eltern wanderten aus Litauen in die Vereinigten Staaten ein. In Binghamton wächst er auch auf. Schon als junger Mann zieht es  …

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Larry Holmes: Vom Sparringspartner Alis zum Schwergewichtsweltmeister

Ali vs. Holmes. Auf diesen Kampf haben die Fans gehofft, gewartet. Anfang Oktober 1980 ist es soweit. Ali hat seinen Rückzug vom Boxen widerrufen, fordert den Weltmeister heraus. Der Kampf wird einer der größten Tragödien in der Geschichte des Schwergewichtsboxens. Der 38jährige Ali ist nahezu wehrlos den Angriffen Holmes‘ ausgeliefert. Aber Holmes schlägt Ali, der ihn einst als Sparringspartner verpflichtet hatte und der sein Vorbild ist, nicht zu Boden. Er schont ihn. Acht Jahre später steht der alternde Holmes Mike Tyson im Kampf um die Schwergewichtsweltmeisterschaft gegenüber. Dieses Mal erlebt der Exweltmeister ein Debakel, denn Tyson lässt Holmes zu keinem Zeitpunkt eine Chance und landet einen vernichtenden Sieg. Familie und der Weg zum Boxen Larry Holmes wird am 03. November 1949 in dem kleinen Ort Cuthbert im Bundesstaat Georgia geboren. Seine Eltern, Flossie und John Holmes, haben bereits drei Kinder, als Larry auf die Welt kommt. In den kommenden Jahren werden sieben Kinder folgen. Im Jahre 1954 zieht die Familie nach Easton (Pennsylvania). Dort wird …

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Peter Hussing gestorben

Einer der populärsten deutschen Amateur-Schwergewichtler ist am Samstag im rheinland-pfälzischen Brachbach, seinem Wohnort, verstorben. Er wurde nur 64 Jahre alt. Sechzehn Mal holte er den deutschen Meistertitel im Schwer- bzw. Superschwergewicht. Seine international größten Erfolge waren Bronzemedaillen  bei den Olympischen Spielen 1972 in München und bei den Boxweltmeisterschaften 1982, ebenfalls in München. Gefürchtet war Hussings exzellenter, punktgenau geschlagener Leberhaken, mit dem er so manche Kämpfe vorzeitig beenden konnte. Lange Jahre boxte der für Ringfrei Mülheim; in den letzten Jahren bis 1982 bei Bayer 04 Leverkusen. Hussing wird am 15. Mai 1948 in Brachbach im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) geboren.  1969, mit 21 Jahren, ist er im deutschen Aufgebot zu den Europameisterschaften in der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Im Schwergewicht holt er die Bronzemedaille. Zwei Jahre später, bei der EM in Madrid, steht er im Finale des Schwergewichts, unterliegt dort aber dem sowjetischen Vertreter, Vladimir Chernyshew. 1973, bei den Europameisterschaften in Belgrad, gelingt es ihm wieder, ins Finale zu kommen, scheitert aber dieses Mal am Sowjetrussen Viktor Ulyanich. Bei …

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Jess Willard: Schwergewichtsweltmeister durch Betrug?

In Europa tobt der Erste Weltkrieg. In den USA, die erst später in den Krieg eingreifen, sucht man einen Schwergewichtler, der es mit dem verhassten schwarzen Titelträger Jack Johnson aufnehmen kann. Sieben Herausforderer hatte Johnson auf die Bretter geschickt, alle vorher als „Weiße Hoffnung“ angekündigt. 1910  war Ex-Schwergewichtsweltmeister James J. Jeffries  beim Versuch eines Comeback von Johnson förmlich auseinandergenommen worden. Mit Jess Willard, an die zwei Meter groß und weit über 100 kg schwer, glaubt man, endlich einen weißen Schwergewichtler gefunden zu haben, der die siebenjährige Herrschaft Jack Johnson beenden könnte. Und die Rechnung geht scheinbar  auf: In der 26. Von 45 angesetzten Runden liegt der Weltmeister flach auf dem Ringboden. Nur: Der Sieg Willards wird kurz danach von kritischen Beobachtern als Bluff abgetan, die Weltmeisterkrone als unverdient gebrandmarkt. Jess Willards Familie und der Weg zum Boxen Der Sohn eingewanderter walisischer Eltern, Myron und Margaret Willard, wird am 29. Dezember 1881 in einem kleinen Ort in Kansas geboren. Er ist der Jüngste von vier Brüdern. …

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